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Ich lese gerade ... Oskar Roehler: Herkunft

Anton Haberditzl (50), Buchhandlung Lesezeichen, Hohenzollernplatz 7, Nikolassee: Nachdem Oskar Roehler mit "Die Unberührbare" bereits die letzten Lebensjahre seiner Mutter verfilmt hat, war klar, dass er sich die Geschichte seiner Familie einmal von der Seele schreiben musste. Sein autobiographischer Roman "Herkunft" ist einfach packend. Roehler holt weit aus, porträtiert die Großeltern in einer sehr anrührenden Kriegsheimkehrergeschichte, bevor er zu seinen Eltern kommt, den Gruppe-47-Autoren Gisela Elsner und Klaus Roehler. Die Namen sind zwar geändert, doch das Martyrium des kleinen Roberts ist unschwer als das von Oskar Roehler zu erkennen. Als Kind grob vernachlässigt, rumgereicht und schließlich ins Internat abgeschoben, grenzt es an ein Wunder, dass er unbeschadet daraus hervorgegangen ist. Zuweilen drastisch, aber immer gut und seriös erzählt Roehler auf beeindruckende Weise nicht nur die Geschichte seiner Familie, sondern auch die der Bundesrepublik.

Oskar Roehler: Herkunft, Ullstein Verlag, 592 Seiten, 19,99 Euro.