Auszeichnung für "Barbara"

Morgenpost-Leserpreis an Christian Petzold: "Ich bin völlig leer"

Das Handy hatte er über Nacht ausgeschaltet. Und morgens wollte er erst mal in Ruhe den Sportteil der Zeitung lesen. Und wissen, ob Marco Rois verletzt ist oder doch spielen kann. Nebenbei hat er das Handy eingeschaltet.

Aber dann kam sofort die SMS-Nachricht: Du hast den Leserpreis der Berliner Morgenpost gewonnen. Das war's dann mit ruhig frühstücken. Die Unabhängigen Preise werden ja immer schon um die Mittagszeit vergeben. Dennoch freut sich Christian Petzold sehr. Er erhält diesen Preis für sein DDR-Drama "Barbara", der am 8. März ins Kino kommt.

Es gibt ja böse Zungen, die behaupten, Filme, die Preise bekommen, schrecken eher ab an den Kinokassen. Sieht er das ähnlich? Nein, ganz und gar nicht. Der Berliner Regisseur hat eher Angst, das Publikum könne, wenn man zu einem Filmstart all diese Interviewmarathons bestehen muss, "glauben, dass man Abi braucht, um den Film zu verstehen". Gerade ein Publikumspreis, der also nicht von Filmkritikern oder Business-Leuten vergeben wird, sondern von denen, die am Ende an der Kasse die Tickets lösen, ist da eine große Ermutigung. Er fühle sich, sagt Petzold kurz nach der Verleihung in der Saarländischen Landesvertretung, "gerade völlig leer, auf eine schöne Art und Weise. Erschöpft und leer." Aber zu erfahren, dass man einen Preis bekommen hat, ist auch keine schlechte Art, in den Tag zu kommen.

Der Leserpreis der Berliner Morgenpost wird seit 1974 verliehen. Nächstes Jahr steht also ein Jubiläum an: Dann wird er zum 40. Mal überreicht.