Luxusprobleme der 62. Filmfestspiele

Eine Berlinale der Stars

Seine eigene Bilanz fällt ganz bescheiden aus. "Kann man nicht meckern", meint Festivalchef Dieter Kosslick über die elfte Berlinale, die er ausgerichtet hat. Ein bisschen mehr Eigenlob darf ruhig sein. Denn, keine Frage: Dies war eine der besten Berlinale seit Jahren, vielleicht die beste in der Ära Kosslick.

Es stimmte einfach alles: Es gab starke Filme, der Filmmarkt war der bestbesuchte seit seinem Bestehen. Der Ticketverkauf hat wieder neue Rekorde erzielt. Und die eine Frage, die alle interessiert, auch die, denen der Kinorummel sonst egal ist: Ja, es gab genug Promis. Es war die Berlinale der Stars.

Vorbei die Zeiten, da man über Kosslick-Berlinalen höhnte, dass ihnen schon in der Mitte des Festivals die Puste ausging. Vor allem die Kritik des Vorjahres hat sich der Chef offensichtlich zu Herzen genommen. Und die Rücktrittsgerüchte, die damals gestreut wurden, hat er nicht nur mit seiner Vertragsverlängerung, sondern auch mit diesem Programm zerstreut.

Dass die Berlinale noch mehr Karten verkauft hat als im Vorjahr, ist natürlich Blendwerk. Mit dem Haus der Festspiele ist ja abermals ein neues Kino hinzugekommen, ist die Berlinale noch mehr in die Breite gegangen. Aber dass die ganze Stadt wieder im Filmfieber steckte, dass auch ganz filmfremde Örtlichkeiten auf den Zug aufspringen, das ist Kosslicks Verdienst. Die Berlinale ist längst kein reines Filmfestival mehr, sondern ein Stadtfestival. Und was die Stars angeht, da hat sich Kosslick endlich frei gemacht vom Knebel der großen Hollywoodstudios. Er hat US-Stars nach Berlin geholt, aber eben nicht mit großen Filmen der Majors. So muss man sich das Programm nicht aus Übersee diktieren lassen, muss auch nicht allen Glanz ins erste Wochenende wuchten.

Wenn es überhaupt etwas zu bemängeln gäbe an dieser Berlinale, dann höchstens: dass es fast zu viel des Guten war. An manchen Tagen kam es zum regelrechten Star-Stau. Das ist ein Luxusproblem, sicher, führt allerdings doch zu latentem Unmut. Es war noch nie möglich, das ganze Programm einer Berlinale zu überblicken, dafür gibt es zu viele Sektionen und Filme; inzwischen ist es aber kaum noch möglich, auch nur alle Highlights zu überblicken. Immer öfter hört man von allen Seiten das Bedauern, dass jeder nur noch einen Ausschnitt wahrnimmt. Und jeder einen anderen. Was am meisten darunter leidet, ist der Wettbewerb. Vielleicht kommt einmal der Tag, da niemand mehr den Bären-Gewinner gesehen hat, weil er bei einem anderen Highlight war. Vielleicht muss man das Festival aber auch so nehmen, wie "Barbara"-Regisseur Petzold uns das geschildert hat: Die Unübersichtlichkeit ist wie die Stadt selbst. Lauter Kieze ohne Zentrum. So gesehen, hat Kosslick der Stadt ein adäquates Event kreiert.