Interview mit Mads Mikkelsen

"Ich liebte es, deutsch zu sein"

Die meisten kennen ihn eher als Bösewicht. Wie als Bond-Gegenspieler in "Casino Royale" oder zuletzt in "Die 3 Musketiere". Auf der Berlinale aber lernen wir den dänischen Superstar Mads Mikkelsen einmal von einer anderen Seite kennen: als Liebhaber.

In dem Historiendrama "Die Königin und der Leibarzt" spielt er die historische Figur des Johann Friedrich Struensee, einen deutschen Arzt und Aufklärer, der als Geliebter von Dänemarks Königin Caroline eine Staatsaffäre auslöst. Thomas Abeltshauser hat mit dem Schauspieler gesprochen.

Berliner Morgenpost: Herr Mikkelsen, willkommen zurück in Berlin. Erst Anfang Dezember haben Sie hier den Europäischen Filmpreis für Ihren Beitrag zum Weltkino erhalten.

Mads Mikkelsen: Vielen Dank. Ja, mir wurde erst danach klar, dass mir Stellan Skarsgaard mit seiner frechen Laudatio mal wieder die Show gestohlen hat. An meinen Preis erinnert sich niemand mehr. Es war ja so etwas wie ein Preis fürs Lebenswerk und ich konnte die Überraschung auf den Gesichtern im Saal sehen, als da kein alter Greis auf die Bühne kam. Nein, im Ernst: ich habe es sehr genossen und es macht mich stolz.

Berliner Morgenpost: Und wie fühlt es sich an, einen Deutschen in einem dänischen Film zu spielen und damit hier auf die Berlinale zu kommen?

Mads Mikkelsen: Berlin war für das dänische Kino allgemein in den letzten 20 Jahren extrem wichtig, hier liefen die ersten Dogmafilme und durch das Festival wurden wir wieder als relevantes Filmland wahrgenommen. Und als Deutscher im Film? Ich dachte, ich spiele gar nicht typisch deutsch! Ich wollte jedenfalls keinen spezifisch Deutschen spielen, sondern einfach diesen Mann, einen glühender Vertreter der Aufklärung. Die Nationalität war da nicht so wichtig... Aber ich liebte es, deutsch zu sein! (lacht)

Berliner Morgenpost: Nach vielen Rollen als Bösewicht oder Actionheld spielen Sie hier einen Liebhaber. Ein bewusster Imagewechsel?

Mads Mikkelsen: Nein, eher eine sehr willkommene Abwechslung. Nichts ist schlimmer als immer dasselbe spielen zu müssen! Dauernd der Liebhaber zu sein ist genauso langweilig wie immer wieder tiefschürfende Dramen oder eine Familiengeschichte nach der anderen. Ich brauche diesen Wechsel, um nicht in ein Loch zu fallen. Ich bin zwar keiner dieser Charakterdarsteller wie Daniel Day-Lewis, die ihre Rolle sogar mit nach Hause nehmen und ihre Kinder zwingen, sie mit dem Namen der Figur anzusprechen, aber eine gewisse Energie schleppt man doch mit sich herum. Nach diesem Film habe ich bereits zwei weitere Dramen gedreht, die psychisch sehr anstrengend waren, jetzt hätte ich gerne mal eine Komödie.

Berliner Morgenpost: Eines dieser Dramen ist "Michael Kohlhaas" nach Heinrich von Kleist. Sie spielen also erneut einen Deutschen.

Mads Mikkelsen: Ja, aber es ist eine französische Produktion. Ich spreche also wieder kein Deutsch, sorry.

Berliner Morgenpost: Sie haben in den letzten Jahren in Frankreich, England, Deutschland gedreht. Auch das wegen des Tapetenwechsels?

Mads Mikkelsen: Nein, das hat eher damit zu tun, dass Dänemark so ein kleines Land ist. Ich hatte fünf Jahre dort keinen Film mehr gedreht und jetzt gleich zwei hintereinander. Es wird Leute geben, die sagen: Er ist in jedem verdammten Film! Und ich kann es sogar verstehen. Ich war also gezwungen, außer Landes zu drehen und ich sehe es zugleich als großes Geschenk. Es gibt so viele Geschichten dort draußen und sie werden überall anders erzählt. Diese Vielfalt finde ich großartig.

Berliner Morgenpost: Und die Sprachbarrieren?

Mads Mikkelsen: Das ist eine Herausforderung und ich mag solche Herausforderungen eigentlich nicht. Aber es ist der saure Apfel, in den ich oft beißen muss, wenn ich mich für eine gute Rolle oder einen Regisseur entscheide. Wenn ich eine Herausforderung will, dann besteige ich den Mount Everest ohne Sicherungsseil.

Berliner Morgenpost: In den USA werden Sie dagegen meist als Bösewicht besetzt.

Mads Mikkelsen: Ich sehe meine Rollen nicht als Bösewichter. Das sind eigentlich ganz nette Kerle, die dumme Dinge tun. Aber es stimmt, dass die Amerikaner diese Tendenz haben: Oh, höre ich da einen kleinen Akzent? Du spielst den Bösen! Aber es ändert sich inzwischen ein bisschen, mir wurden auch schon andere Rollen angeboten. Leider alle langweilig.

Berliner Morgenpost: Selbst im amerikanischen IndependentKino?

Mads Mikkelsen: Das ist ja schön und gut, aber diese Art von Kino können wir in Europa doch einfach besser. Hier gibt es genug verrückte unabhängige Filmemacher. Das kann dann natürlich auch heißen, dass ich wieder mal eine neue Sprache lernen muss, aber was soll's! Und ich finde es toll, dass ich in jedem Land ein bisschen anders gesehen werde.

Berliner Morgenpost: Sie sind ausgebildeter Tänzer, aber erst jetzt sieht man Sie zum ersten Mal in einem Film tanzen. Können Sie allgemein Ihre Tanzausbildung auch als Schauspieler nutzen?

Mads Mikkelsen: Klar, ich kann meinen Körper viel besser kontrollieren, die verschiedenen Energiezustände und Geschwindigkeiten, die für eine Figur notwendig sind. Ich mache das alles unbewusst ohne groß darüber nachzudenken.

Berliner Morgenpost: In Ihrem Film geht es auch um die Parallelen zwischen Schauspielerei und Politik. Hatten Sie selbst je politische Ambitionen?

Mads Mikkelsen: Jeden einzelnen Tag! Aber ich könnte nicht vor die Fernsehkameras und in fünf Sekunden irgendeinen populistischen Mist absondern. Es müsste nach meinen Regeln laufen. Wir reden hier von einer Diktatur auf Lebenszeit.