Wettbewerb

Leserpreis der Morgenpost geht an "Barbara"

Die Chancen stehen gar nicht so schlecht, dass heute Abend, wenn die Bären verliehen werden, der Hauptpreis, der Goldene Bär mal wieder an einen deutschen Film geht.

Das hat es in den vergangenen 61 Jahren erst ganze sechs Mal gegeben, das letzte Mal wurde diese Ehre 2004 Fatih Akins "Gegen die Wand" zuteil. In diesem Jahr war das deutsche Kino, das ist noch keine Besonderheit, gleich mit drei Beiträgen im Wettbewerb vertreten, aber, das ist besonders, mit drei außergewöhnlich guten. Einer aber sticht vor allem klar heraus: Christian Petzolds "Barbara". Bei allen Kritikerumfragen rangiert der Film ganz oben auf den Listen, und das, seit er vor einer Woche Premiere feierte.

Einen Preis hat Petzold schon mal sicher. Denn über den wurde gestern schon abgestimmt. Die Leserjury der Berliner Morgenpost, die für uns den Wettbewerb gesichtet hat, hat Petzolds fünften Film mit seiner Dauermuse Nina Hoss zum Publikumsfavoriten gewählt. Das Ergebnis fiel nicht ganz so eindeutig aus wie im vergangenen Jahr: Da hatten alle 12 Juroren einstimmig für den iranischen Beitrag "Nader und Simin: Eine Trennung" gestimmt (der, nebenbei gesagt, auch noch den Goldenen Bären erhielt!). Weit vorn in der Gunst standen noch der Schweizer Beitrag "L' enfant en haut" und das Drama über Kindersoldaten in Afrika, "Rebelle", das gestern noch als letzter Beitrag im Wettbewerb zu sehen war. Aber keiner kam an "Barbara" heran.

Der Film spielt in der DDR der achtziger Jahre. Er handelt von einer Ärztin, die einen Ausreiseantrag stellte und deshalb in den Knast musste. Die danach (hier fängt der Film erst an) in die Provinz abgeschoben wird und nun in den Westen fliehen will. Aber just als alles vorbereitet wird, kommt sie dem örtlichen Krankenhauschef näher. Und weiß doch nie, ob sie ihm wirklich vertrauen kann oder ob er nicht doch von der Stasi auf sie angesetzt wurde. Einmal mehr treibt Petzold Nina Hoss zu Höchstleistungen an, und einmal mehr veredelt die Hoss seinen Film. Es ist unglaublich, wie diese beiden miteinander immer besser werden und nie, wie die Schauspielerin uns vorab in einem Interview sagte, "nur das Petzold-Hoss-Ding" durchziehen.

Der Preis, eine Filmspule aus Glas, wird heute um 12.30 Uhr, zusammen mit anderen Preisen Unabhängiger Jurys, in der Saarländischen Landesvertretung verliehen.