Erste Liebe

Verwirrende Blicke

Ich würde gerne die Geschichte erzählen, wie ich vor Jahren eine mir unbekannte Schauspielerin auf der Leinwand sah und, als das Licht im Saal wieder anging, sitzen blieb.

Ich hatte keine Lust, zurück unter Menschen zu gehen. Ich war noch bei ihr. Als ich daheim meine Freundin umarmte, hatte ich das verstörende Gefühl, sie betrogen zu haben. Spät nachts schrieb ich der Schauspielerin einen Brief. Wochen später erreichte mich ihre Autogrammkarte, auf deren Rückseite eine Telefonnummer stand. Ich rief erst am Nachmittag an: "Are you really such a fool?", fragte eine genervte Männerstimme und legte auf. Kurz darauf klingelte das Telefon. Ich zögerte, nahm ab und hörte meine eigene Stimme: "Was träumst du da? Wach auf." Ihre Filme habe ich alle gesehen, immer erscheint sie als Frau mit einer Haltung, die Distanz sucht und schafft, um für wenige Momente das Visier zu öffnen. Es sind ihre Blicke, durch die wir in sie schauen. Wenn ich Nina Hoss spielen sehe, denke ich an Jeanne Moreau in "Die Ausgebufften", den schönsten Liebesfilm, den ich kenne. Sie ist ihre jüngere Schwester. Sie zu sehen, heißt fremd zu gehen in ihrem Geheimnis.