Berlinale

Die einen rufen "Ashley! Ashley!", die anderen "Mama! Mama!"

Zum Valentinstag hat Cecily Lautenbach eine Banane geschenkt bekommen, von ihren Lieblingsfotografen. Das sind drei Franzosen, die immer in der ersten Reihe sitzen, im Hyatt beim sogenannten "Fotocall".

Das ist der Bereich, wo die Stars kurz vor ihrer Pressekonferenz vorbeigeführt werden und die Fotografen der Weltpresse Fotos machen dürfen. Der Raum ist stark beleuchtet, und die Grundfarbe ist Blau. Das ist für die zehn Tage der Berlinale der Arbeitsplatz von Cecily Lautenbach, die hier die Tür öffnet und schließt.

Diese Tür geht ausgerechnet nach innen auf, so dass es in dem engen Fotocall-Bereich noch enger wird, wenn die Stars auftreten. Aber das hat auch Vorteile: Cecily kommt so ganz zufällig an viele Stars heran. Einen halben Meter, sagt sie, habe sie Abstand gehabt zu Angelina Jolie ("Sie hat mich sehr freundlich angelächelt"), Meryl Streep ("Auf die habe ich mich am meisten gefreut") und Jake Gyllenhaal ("Der ist wirklich ein heißer Typ"). Überhaupt hat sie in den vergangenen Tagen hier im blauen Raum gelernt, dass die meisten Filmstars sehr nett und gar nicht abgehoben seien. "Man macht sich da ein falsches Bild, wenn man sie immer nur im Kino oder in Magazinen sieht", sagt sie. "Die meisten sind einfach ganz normal."

Als sie das sagt, geht die Tür nach innen auf und die Schauspielerinnen Ashley Hinshaw, Heather Graham und Lili Taylor betreten den Raum. Sie spielen in dem US-Film "Cherry" mit. Die rund 25 Fotografen, allen voran die drei Franzosen, rufen laut "Ooooh" und beginnen zu fotografieren. Dabei rufen sie immer wieder "Ashley! Ashley!" und "Lili! Lili!". Im Millisekundentakt flackern die Blitze ihrer Kameras. Starfotografen bei der Arbeit können einem ziemlich Angst machen. Aber Bananen beruhigen ja die Nerven und das Blitz-Gewitter geht schnell vorbei. Nach fünf Minuten gehen die Damen an Cecily Lautenbach durch die Tür - genau im Abstand von einem halben Meter.

Spielen mit den Star-Kindern

Eine ganz andere Form von Lärmpegel muss Cornelia Balzarini aushalten. Am Montag war es schlimm: 34 Kinder zwischen sechs Monaten und sechs Jahren - und fast alle rufen "Mama! Mama!" Aber die Schweizerin kennt das schon. Seit sieben Jahren organisiert sie zusammen mit dem Team des Kindergartens "Stepping Stones" in der Lützowstraße die Berlinale-Kinderbetreuung. "Es gibt jedes Jahr diesen einen Tag, an dem man denkt, es geht nicht mehr", sagt sie. "Aber dann wird es wieder leichter."

Gerade hat sie nur drei Kinder zu betreuen: Romeo (3) aus Italien sowie die Geschwister Karla (4) und Oskar (3) aus Bad Homburg. Romeo hat gerade Oskar mit einem hohlen Plastikrohr leicht auf den Kopf geschlagen, Oskar zuckt zurück, aber er hatte vorher auch Romeo geärgert. Komplizierte Geschichte, aber nach 30 Sekunden spielen sie schon wieder zusammen mit einer Trommel.

Cornelia Balzarini mag diese Arbeit - und bringt 20 Jahre Erfahrung aus dem Kindergarten des Filmfests Locarno mit. "Manchmal besuchen mich jetzt noch die Kinder, die ich vor Ewigkeiten betreut habe", sagt sie, "weil sie jetzt eigene Filme auf dem Festival haben." Der Berlinale-Kindergarten aber sei eine filmfreie Zone. "Wir haben das mit Videos probiert", sagt die 47-Jährige, "aber die Kinder machen lieber andere Sachen." Sie bewegen sich im Bewegungszimmer oder machen gemeinsam Musik. Die Kinder von Angelina Jolie hat Cornelia Balzarini nicht betreut - große Stars reisen meist mit Kindermädchen an. Aber dafür hat ihr Brad Pitt die Hand geschüttelt. Während eines Blitzgewitter-Fotocalls am Roten Teppich.