Dokumentarfilm

Wie ein kurzer Spuk: Der Papst-Besuch, vom Rand beobachtet

Im September vergangenen Jahres besuchte Papst Benedikt XVI. Deutschland und machte dabei auch in Erfurt Station.

Bei solchen staatstragenden Ereignissen, begleitet von einem großen Medien-Hype, ist natürlich genau reglementiert, welche Bilder vom hohen Gast wie zu machen und zu verwenden sind. Zumindest gilt das für öffentlich-rechtliche und private Fernsehsender. Eine Situation wie gemacht für den 1955 in Ost-Berlin geborenen Regisseur Thomas Heise: In "Die Lage" zeigt er das Großereignis nämlich sturztrocken vom Rand oder besser gesagt: von der Rückseite aus. Wie schon in seinen früheren Dokumentarfilmen über den deutschen Alltag, damals noch in den Achtzigern, wirft Heise "Blicke hinter die Absperrung", wie er es nennt.

Statt bewegende O-Töne für eine von allen Erfurtern geteilte Erwartungshaltung zu sammeln, rückt er Security-Leute, Lokalpolitiker, Gerüstbauer und Polizei in den Fokus seiner edel arrangierten Schwarzweiß-Bilder. Und die sind ganz schön boshaft: Schwarze Talare flattern vor weißen Dixi-Toiletten, eine Polizistin knetet unbeteiligt ihre Hände, und hinter aller Rücken und über alle Köpfe hinweg ertönen über Lautsprecher Lieder und Gebete. Feine apokalyptische Fragmente, Momente einer Anspannung ohne sichtliches Objekt fängt Heise da ein, und als der Papst dann endlich eintrifft, wirkt er durchsichtig, zerbrechlich, wie ein kurzer Spuk.

Wiederholungen Heute, 22 Uhr, Cinemaxx; morgen, 18 Uhr, Arsenal.