Erste Liebe

Sünde und Seelenheil

Wenn wir sonntags in den Kindergottesdienst gingen, bekamen wir von unserer Mutter 50 Pfennig. Das mussten wir in die Kollekte hineinschmeißen und bekamen dafür ein Kirchenblättchen.

Das war quasi eine Quittung, aber für uns vor allem ein strategisches Problem. Denn auf dem Weg zur Kirche war auch das Kino. Dort gab es immer sonntags um 11 Uhr eine Vorstellung. Eine schwere Entscheidung: Das Kino war voller Sünde, der Gottesdienst voller Heil. Mein Bruder und ich sind oft ins Kino gegangen. Dann mussten wir wegen des Blättchens lügen. Der erste Film, an den ich mich erinnere, war John Fords "Höllenfahrt nach Santa Fé". Mannhaft zeigte sich John Wayne, und die Kavallerie kam zum rechten Zeitpunkt. Der zweite Film, in den ich mich verknallt habe, war "Die Kinder des Olymp", in dem das Verhältnis einer schönen Frau zu vier Männern im Pariser Theatermilieu beschrieben wird. Das war für mich wie ein Erweckungserlebnis, der Film auch bestimmend für mein Theater. Jean-Louis Barrault war so ein wunderbarer Pantomime. Seinetwegen habe ich später auch eine Pantomimenausbildung gemacht.