Film:

Karaoke und tierische Grüße aus Südostasien

Über Nicholas Saputras Gesicht geht nur ein kleines Lächeln. Der Moderator der Pressekonferenz zum Film "Kebun Binatang - Postcards from the Zoo" hat den Namen des indonesischen Schauspielers gerade "Sapututra" ausgesprochen. Doch kein Problem. Hier weiß niemand, dass der Indonesier in seinem Heimatland seit zehn Jahren ein Superstar ist.

Wer ihn fragt, erfährt auch, dass sein Vater ein Deutscher war und er noch immer Verwandte in Düsseldorf hat. In Berlin aber ist er jetzt zum ersten Mal.

Zusammen mit seiner Co-Schauspielerin aus "Kebun Binatan", Ladya Cheryl, hat Saputra schon im Jahr 2002 einen Film gedreht der noch immer als der Beginn der indonesischen Blockbuster gilt: "Ada apa dengan Cinta" (Was ist los mit Cinta). Inzwischen werden dort jährlich rund 90 Filme produziert. Auch deshalb beschloss die Berlinale, den für Gesamt-Asien zuständigen Mitarbeiter in Hongkong zu entlasten und schuf 2011 für Südostasien eine eigene Position. Das Ergebnis im ersten Jahr: Neben vier historischen Filmen aus Kambodscha, die auch Cannes gern gehabt hätte, laufen auf der Berlinale mehrere Filme aus Thailand, Vietnam und im Wettbewerb jeweils ein Film aus den Philippinen und aus Indonesien - der erste seit fast 50 Jahren. Sie sind die sympathischen Underdogs des Festivals.

Der Regisseur hat keinen Nachnamen, in Indonesien nicht ungewöhnlich. Er heißt Edwin, ist 33 Jahre alt und studiert in Amsterdam. "Kebun Binatang" ist sein zweiter Film und handelt von einer jungen Frau, die im Zoo von Jakarta eine Beziehung zu den Tieren aufbaut - und den Menschen, die dort leben. Edwin sagt, er wollte die zwischenmenschlichen Beziehung mit denen zu Tieren vergleichen. Das Interesse am Film ist noch verhalten, es gibt wenige Journalisten auf der Pressekonferenz. Aber dass sein Film im Wettbewerb läuft, ist für ihn eine Sensation, zu seinen Chancen auf einen Preis aber bleibt er bescheiden. "Toll wäre es schon, aber ich freue mich, hier zu sein."

Über Twitter auf der Berlinale

Ähnlich bescheiden war der Abend, den die indonesische Botschaft am Mittwoch in der "Homebase"-Louge ausrichtete. Botschafter Eddy Pratomo sprach warme Worte des Stolzes und erinnerte daran, dass die viertgrößte Nation der Welt in Berlin immer mehr im Fokus steht. Vor einem Jahr kamen 100 Künstler aus Indonesien für ein Festival nach Berlin und im kommenden Jahr wird das Land Partner der Tourismusbörse ITB sein. Außerdem hat es das höchste Wirtschaftswachstum der G 20-Staaten - und ist Nummer eins der Twitter-Nutzer weltweit.

Trotzdem gilt Indonesien als konservativ, was schon bei dem Panorama-Beitrag "Anak-anak Srikandi" deutlich wurde. Die offenherzige und detailreiche Dokumentation über Transgender in Indonesien wurde zwar für den Teddy- und den Amnesty-Award nominiert, aber noch ist unklar, ob sie in indonesischen Kinos überhaupt laufen wird. Auch bei "Kebun Binatang" wurden Zweifel laut, wegen der Nacktszenen. Für Deutschland allerdings ist diese Frage bereits geklärt: Edwin hat schon einen deutschen Verleiher.

Noch ein Geheimtipp: Auf der Köthener Straße 28, gleich hinter dem Berlinale-Palast, steht das Indonesisch-Philippinische Restaurant "Mabuhay". Dort werden in diesen Tage sicher auch Superstars bei südostasiatischem Essen sitzen. Denn es gibt eine Karaokeanlage - und Grund zum Feiern gibt es für sie ja schon jetzt.