Philharmoniker

Simon Rattle stellt einen neuen Finalsatz von Bruckner vor

Das "Team Samale et al." steht keiner Fußball-Mannschaft zur Seite, sondern einzig der Musik.

Es hat Bruckners Fragment der 9. Sinfonie unter Leitung von Benjamin-Gunnar Cohrs über die Jahre hin rekonstruiert und dadurch auch den 4. Satz, das beschließende "Misterioso", den sehnsuchtsvollen Griff Bruckners nach dem Jenseits, hörbar gemacht. Sir Simon Rattle an der Spitze der vor Unternehmungslust geradezu überbordenden Philharmoniker führte das Resultat nun wahrhaft triumphal auf. Bruckner hatte, als er bemerkte, er würde sein Werk nicht mehr vollenden können, darum gebeten, den einleitenden drei Sätzen der d-Moll-Sinfonie abschließend sein "Te Deum" hinzuzufügen, gewidmet "dem höchsten Ruhm Gottes". Der neue 4. Satz gibt sich ganz und gar ohne religiöse Duckmäuserei: also nicht als Sterbemusik sondern als kompositorisches Muskelspiel, wie es schon die drei vorangegangenen Sätze beherrscht hatte. Es setzt keine musikalische Flucht in den allein seligmachenden Glauben. Das ist grundrichtig. Denn das einleitende "Misterioso" des 1. Satzes weist schon nicht gerade auf die Resignation des Sterbenmüssens, sondern setzt sich dagegen mit Klauen und Pranken (und zehn Kontrabässen!) klangmajestätisch zur Wehr. Die Blechbläser scheinen sogar eine Ersatzlunge mitgebracht zu haben, so heftig fordern sie Bruckner und Rattle in stürmischer Gemeinschaft heraus. Es setzt ein grandioses Orchesterspiel, das allen gerecht wird, Bruckner natürlich zu allererst, später dann auch dem durchaus nicht zaghaften Bearbeiterteam