Guggenheim Berlin

Josef Ackermanns letztes Kunststück

Das Aus am Vormittag kam überraschend. Das Guggenheim Unter den Linden, eines der weltweit fünf Dependancen des bekannten US-Museums-Imperiums, wird Ende des Jahres schließen. Das Ausstellungsprogramm steht bis dahin, der Künstler des Jahres, Roman Ondak, wird noch gefeiert, dann aber wird das Ausstellungshaus in den Räumen der Repräsentanz der Deutschen Bank definitiv geräumt.

Josef Ackermann, bis Mai noch Chef der Deutschen Bank, gab höchstselbst bekannt, dass die Räumlichkeiten für ein neugeplantes Dialogforum zwischen Wirtschaft und Politik genutzt werden sollen. Doch er ließ offen, was genau mit diesem "Forum" gemeint ist. Wie funktioniert es, wenn soll es ansprechen? Ein Konzept, so hieß es, sei noch nicht ausgearbeitet, bestenfalls Schemen lassen sich erahnen. Offenbar will das größte deutsche Geldhaus wesentlich präsenter in der Hauptstadt werden, vor allem in der Außenwahrnehmung. Klar, Kunstliebhaber verbinden das Guggenheim sofort mit der berühmten New Yorker Foundation, wissen um die Qualität der Ausstellungen. Doch offenbar war der Deutschen Bank der Kunst-Rahmen dann auf Dauer doch etwas zu eng und auch nicht publikumswirksam genug. Das soll nun geändert werden - in einem wie auch immer gearteten Forum. Merkwürdig, dass diese Entscheidung so wenig attraktiv nach außen verkauft wird. Offenbar soll aber die Kunst einen Platz behalten. Bei "ausgewählten Projekten" wolle man weiterhin zusammenarbeiten mit dem Guggenheim, sagte Friedhelm Hütte, der die Fäden der Kunstaktivität der Frankfurter Bank zusammenhält. Mehr aber wollte er gestern zu diesem Thema nicht veröffentlicht wissen. Klar scheint nur - auch nach dem Ende der Allianz mit dem Guggenheim wird man weiterhin den Titel des "Künstler des Jahres" in der Hauptstadt verleihen. Offenbar steigt mit dieser Auszeichnung der Imagegewinn.

Eins ist sicher, wenn das Guggenheim Ende des Jahres schließt, wird eine Lücke entstehen im Bereich zeitgenössischer Kunst. Schließlich war das Haus auch immer Podium für aktuelle Diskussionen und Debatten.

Im Mai kommt BMW

Das Guggenheim hatte sich seit seiner Gründung 1997 zu einer der besten Adressen für Gegenwartskunst in Berlin gemausert. 57 Ausstellungen und rund 1,8 Millionen Besucher in 14 Jahren - diese Bilanz kann sich wirklich sehen lassen. Mit ausgefallenen Präsentationen erfand sich das kleine Refugium immer wieder neu. Turnerpreisträger Anish Kapoor hob die Halle architektonisch mit seinem tonnenschweren "Ei", einer Auftragsarbeit, regelrecht aus den Angeln. Hanne Darboven verwandelte den Raum mit ihren monomanischen Zahlenkolonnen in eine seltsame Kathedrale der Stille. Viele der insgesamt 17 Auftragsarbeiten von Bill Viola oder William Kentridge wurden auch in Bilbao und New York gezeigt.

Dass das Haus so erfolgreich gearbeitet hat, verdankt es sicher auch der Marke Guggenheim, die als New Yorker Gesamtkonzept von New York aus in Europa glückte. Bestes Beispiel: der ehemals heruntergekommenen Stadt Bilbao verlieh der exzentrische Titan-Paradebau von US-Architekt Frank O. Gehry ein ganz neues Image, die Besucher strömten zu Millionen in das spanische Städtchen.

"Wir sind sehr stolz auf die Ergebnisse, die wir zusammen mit der Deutschen Bank in den letzten 14 Jahren erzielt haben", ließ Richard Armstrong, Chef der Solomon R. Guggenheim Foundation in New York, gestern etwas sehr formal verlauten. Er weiß, seine Marke zieht halt überall auf der Welt, nicht nur in Berlin. Zudem läuft bereits ein neues länderübergreifendes Projekt in der Hauptstadt - angekündigt für kommenden Mai. Dann soll das temporäre "BMW Guggenheim Lab" in Kreuzberg stehen, Schlesische Straße, Ecke Cuvrystraße. In Berlin gibt es eben immer eine Alternative.