Konzerthaus

Sol Gabetta lässt ihr Cello singen

Gegen sie kommt die Kälte nicht an. Sol Gabetta, Solistin in Residence im reich besuchten Konzerthaus am Gendarmenmarkt, sah sich an ihrem Cello-Abend einer jubelnden Zuhörerschar gegenüber, die den großen Saal mit seinen beiden Rängen weitgehend füllte.

Der ist nun nicht gerade für Kammermusiken gebaut, und selbst das Wundercello von Guadagnini, Baujahr 1759, in Gabettas Wunderhänden, Baujahr 1981, ließ sich nicht immer dazu überreden, mit seinen Wunderklängen rundum den Saal zu füllen. Man musste schon sehr die Ohren spitzen, um die musikalische Meisterschaft bis auf den Grund genießen zu können.

Mit zwei Werken von Beethoven begann das Konzert, ohne einem weiteren Handicap zum Opfer zu fallen. Für die erkrankte Pianistin Mihaela Ursuleasa war Henri Sigfridsson, ein finnischer Kollege, der gerade in Berlin unterrichtet, eingesprungen. Die beiden verstanden sich, soweit man es in dem Riesensaal ausmachen konnte, ausgezeichnet. Sie leisteten sich mit dem Schlussstück, einer Phantasie über zwei russische Volksweisen, vom Cellisten-Kollegen Adrien-Francois Servais im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts zu Papier gebracht, am Ende sogar einen genussreichen Ausflug in die Virtuosität.

Mit Beethoven aber begann es, und Beethoven sollte neben seiner eleganten Priesterin Sol Gabetta auch der Held des Abends bleiben. Zierlich hob er an, mit Beethovens sieben Variationen über das Duett Pamina-Papageno aus Mozarts "Zauberflöte", musikalisches "amuse bouche", wie man es zweifellos auch gern in einem feineren Restaurant zum VorabGenießen serviert hätte. Dann aber setzte es nachdrücklich den großen künstlerischen Hieb des Abends: Beethovens Sonate A-Dur op. 69 für Cello und Klavier. Eigentlich war mit diesem Sonaten-Zyklus des Meisters das Cello als Soloinstrument kammermusikalisch überhaupt erst hoffähig geworden. Und so klang es auch auf. Am feinsten natürlich im Adagio cantabile des 3. Satzes, dessen Herrlichkeit allerdings im wahrsten Sinne des Wortes zu kurz kommt. Beethoven hat ihm nur ganze neunzehn Takte zugebilligt.