Kino

Heimspiel für einen türkischen Filmstar in Wedding

Da huscht er im schwarzen Smoking über den roten Teppich, umstellt von Bodyguards und Kollegen. Die Fans rufen und halten ihre Handys zum Filmen nach oben. Der umjubelte Star heißt Ata Demirer und ist in der Türkei ein sehr bekannter Schauspieler und Comedian.

Im Kinocenter Alhambra in Wedding wurde sein Film "Berlin Kaplani" am Sonnabend einer Gala und 800 Gästen gefeiert.

Der Film erzählt die Geschichte des 40 Jahre alten Boxers Ayhan Kaplan. Doch die glanzvollen Jahre als Sportler hat der "Tiger aus Berlin", sein Nachname bedeutet übersetzt Tiger, längst hinter sich. Jetzt hat der Übergewichtige von 50 Kämpfen mehr als die Hälfte verloren, was seinen Sponsor überhaupt nicht freut. Er will sein Geld zurück und damit fangen die Probleme für Ayhan Kaplan an. Daraufhin flüchtet er zur Familie seiner Cousine nach Antalya. In seiner Rolle als Berliner Deutschtürke spricht Ata Demirer konsequent ein schlechtes Türkisch. Immer wieder fallen in seinen Sätzen auch deutsche Wörter, wie "aber", "verstehst du" und "tschüß", so wie es bei vielen in Deutschland lebenden Türken auch der Fall ist. Die ersten Szenen des Films wurden in Berlin gedreht.

Ata Demirer, der auch das Drehbuch geschrieben hat, sagt nach der Vorführung, dass der Film autobiografische Elemente enthält. "Ich habe sehr viele Verwandte in Deutschland und habe mich immer gefreut, wenn sie in den Sommerferien kamen und mir Geschenke mitgebracht haben", so Demirer über seine Kindheit. Mittlerweile haben sich aber die Zeiten geändert. Das sieht man daran, als Ayhan Kaplan deutsche Schokolade und ein großes Glas Nutella mitbringt und sein Neffe desinteressiert sagt: "Ist doch nichts Besonderes. Das gibt es hier auch zu kaufen." Immer wieder werden die kulturellen Unterschiede der Deutschen, Deutschtürken und der Türken in der Türkei dargestellt. So lästert Kaplan über die deutsche Oma, dessen Hunde er ausführt, dass auch diese wie Automaten seien und Deutsche nicht mit Spontaneität umgehen könnten.

Nach dem Film ruft eine Zuschauerin Demirer zu: "Jetzt haben Sie auch verstanden, dass wir Deutschtürken gar nicht so seltsam sind." Woraufhin er erfreut erwidert: "Sie haben absolut recht." Das Berliner Publikum hat während der Vorstellung bei vielen Szenen gelacht. Eine Mutter allerdings war nach dem Abend sichtlich enttäuscht. Sie stand noch lange mit ihrem neunjährigen Sohn am roten Teppich hinter der Absperrung. Beide hofften, den Hauptdarsteller Ata Demirer zu sehen. "Wäre es denn so schwer gewesen, wenn er noch mal hier entlang gelaufen wäre?", sagt die Mutter. Auf der Internetseite war angekündigt worden, dass Demirer in jeden Saal des Kinocenters kommen und das Publikum begrüßen würde, was er allerdings nicht gemacht hat. In dieser Hinsicht, war es für viele Fans ein enttäuschender Galaabend.