Literatur

Neue Regeln für Bestseller-Liste sorgen für Wirbel

Eine Ankündigung des Magazins "Der Spiegel", seine Bestsellerliste umzustellen, sorgt für Wirbel in der deutschen Verlagslandschaft. In der "Spiegel"Bestsellerliste sollen von Juli an nur noch echte, gebundene Hardcover-Bücher eine Rolle spielen.

Hochwertigere Paperbacks - wie beispielsweise die Adler-Olsen-Bücher im Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv) auch Charlotte Roches "Schoßgebete" - würden dann künftig in der weniger beachteten Taschenbuch-Liste aufgeführt. Wolfgang Balk, der Chef von dtv, kritisierte die Pläne. "Die neuen Regeln bei der 'Spiegel'-Bestsellerliste halte ich für rückwärts gewendet und dem gegenwärtigen Marktgeschehen inadäquat", sagte er. Auch der Sprecher des S. Fischer-Verlages, Martin Spieles, sagte: "Wir sehen das kritisch."

Die Arbeitsgemeinschaft Publikumsverlage hat inzwischen einen Kompromissvorschlag ausgearbeitet. Sie spricht sich für drei Bestsellerlisten aus: einmal Hardcover, einmal Taschenbuch und dann die hochwertigen Paperbacks. dtv-Chef Balk betonte: "Ob Original- oder deutsche Erstausgaben fest oder flexibel gebunden sind, spielt für die Leserinnen und Leser offensichtlich kaum eine Rolle, sondern sie freuen sich eher über die etwas günstigeren Preise bei den ansonsten gleichwertig ausgestatteten Paperbacks." Hardcover seien im Schnitt drei bis sieben Euro teurer.

Weil die "Spiegel"-Liste aber den Verkauf von Titeln steigere und vielen als Qualitätsmerkmal diene, werde dtv auf die Ankündigung reagieren und zwei potenzielle Besteller-Titel als Hardcover veröffentlichen: Rita Falks "Hannes" und Jussi Adler-Olsens "Verachtung" - "um deren Marktpräsenz nicht zu gefährden", sagte Balk. "Das ist man als Verlag seinen Autoren gegenüber schuldig." Mit Adler-Olsens und Falks Erfolgskrimis steht dtv auf der Liste immer wieder weit oben. Auch Charlotte Roches bei Piper erschienener Verkaufsschlager "Schoßgebete" ist ein Paperback. Der "Spiegel" betonte, er komme dem Wunsch der Buchhandelsbranche nach. "Die Änderungen wurden vorgenommen, weil es entsprechende Wünsche aus der Branche gab", sagte der stellvertretende Chefredakteur Martin Doerry. "Handel und Verlage wollten eine auch für den Leser nachvollziehbare Trennung zwischen Hardcover- und Taschenbuchliste." Die Reaktionen seien weitgehend positiv.