Theater

Dumme Affäre: Was wollte Effi bloß von dem?

Wovon alle Mädchen träumen, das ist für Effi Gewissheit: "Ich werde eine Prinzessin sein!" Mit allem, was dazu gehört, einer "Muschelbadewanne mit goldenen Wasserhähnen" zum Beispiel. Sie ist süße 17, trägt Ringelpulli und ein Springseil um den Bauch gewickelt, aber einen Prinzen hat sie schon:

Geert ist der mit dem Pferd. Der heißt mit Nachnamen von Instetten, ist gut doppelt so alt wie sie, aber eine gute Partie. Zehn Jahre später sagt dieselbe Effi: "Ich muss leben, aber ewig wird es ja wohl nicht dauern."

Was dazwischen passiert, erzählt Theodor Fontane in einem der berühmtesten Ehebrecherinnenromane aller Zeiten. Regisseurin Jorinde Dröse hat sich "Effi Briest" bereits 2005 schon einmal im Hamburger Thalia Theater zur Brust genommen. Aber der Acker der Liebe und des Betrugs ist, um Effis Vater zu zitieren, nun mal ein ziemlich weites Feld, und also zeigt Hausregisseurin Jorinde Dröse jetzt im Maxim Gorki Theater eine neue Fassung. Romanadaptionen auf dem Theater sind riskant, aber "Effi Briest" hat beste Voraussetzungen: Der Roman ist extrem dialogstark und reich an markanten symbolischen Motiven.

Ein geschickter Dreh

Ebenso wie Glanz und Wohlstand reizt Effi die Gefahr. Die steigt eines Tages in Gestalt des Major Crampas aus den Fluten, beherzt ergreift sie, die hier keineswegs nur die Verführte ist, bei günstiger Gelegenheit seine Hand, fortan verlebt man heitere Ausritte bei lärmender Brandung und höchstwahrscheinlich auch mehr. Sechs Jahre später entdeckt ihr Gatte die längst beendete Affäre und fordert den Nebenbuhler zum Duell, obwohl er eigentlich nicht will, aber es gehört sich halt so, glaubt er. Crampas stirbt, Effi wird aus dem Haus geworfen und auch die Eltern brechen mit ihr, ebenfalls, weil sie denken, das gehöre sich so und weil sie erst nicht die Kraft haben, auf ihr Herz zu hören.

Wilhelm Eilers spielt Effis Vater als großen Rettungsanker für ihre Gefühlsstürme, voller Liebe für sein Kind. An seine Brust wirft sich Anja Schneiders Effi ein ums andere Mal. In dem nur zwei Stunden dauernden Abend macht sie die stärkste Wandlung durch, vom noch auf der Unterlippe knabbernden Wildfang zur gebrochenen Frau. In einer eigentümlichen Doppelrolle agiert Paul Schröder. Dunkel perückt als Haushälterin Johanna, die heimlich ihren Herren, den Baron von Instetten liebt, andererseits als Major Crampas, der wiederum Instettens Gattin Effi unheimlich liebt. Es gibt an noch mehr Ungereimtheiten, manches wird allzu überdeutlich erzählt, manches Zitat extrem strapaziert, anderes, wie die Schlüsselszene der Kutschfahrt am Schloon derartig verkürzt, dass man lieber den Plot halbwegs im Hinterkopf haben sollte.

Hochspannend aber ist ein kleiner und sehr zarter psychologischer Dreh in der Figurenformung. Robert Kuchenbuch legt seinen Baron von Instetten als extrem sympathischen Kerl an, etwas steif vielleicht, aber durchaus romantisch und bei weitem nicht der staubtrockene Karrierist, als den Fontane ihn zeichnete. Er und Effi sind die reinsten Turteltäubchen. Crampas dagegen ist bei Paul Schröder ein ziemlich alberner Kindskopf und die Affäre eigentlich nicht wert. Das verschiebt die Sympathien: Hier stellt sich durchaus so was wie Mitleid mit dem Baron ein, während normalerweise ausnahmslos Effi die Herzen zufliegen als moderner Frau, die sich nimmt, was sie will. Damit justiert Jorinde Dröse sehr geschickt die Ur-Frage des Romans nach Schuld und Unschuld. Die richtige Antwort darauf ist hier seit jeher ein sehr, sehr schmaler Grat.

Wieder am Mittwoch, 18. Januar, 19.30 Uhr im Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2, Kartentel. 20 221 115