Sarrazin-Buchaktion

"Die Installation wird so nicht stattfinden"

Die geplante Künstleraktion um das umstrittene Buch "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin stößt wegen möglicher Assoziationen zur NS-Bücherverbrennung auf heftigen Protest. Als die Aktion am Freitag bekannt wurde, meinte der Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums in Potsdam, Julius H. Schoeps, dieses Vorhaben sei "ein Akt der Peinlichkeit, den es zu verhindern gilt".

Der tschechische Künstler Martin Zet, der Sarrazins Buch in tschechischer Übersetzung gelesen hat, hatte dazu aufgerufen, das seiner Ansicht nach ausländerfeindliche Werk an verschiedenen Sammelstellen abzugeben. Bei der Berlin Biennale (27.4.-1.7.) sollten die Bücher dann in einer Installation gezeigt und nachher recycelt werden.

Die Berliner Morgenpost fragte den Künstler, der heute in Berlin erwartet wird, ob ihm die Assoziation zur Bücherverbrennung der Nationalsozialisten 1933 nicht klar gewesen wäre. "Natürlich", so Zet, "aber ich dachte auch, Deutschland ist darüber hinweg. Ich wusste nicht, dass das Land davon noch so traumatisiert ist." Der Tscheche, dessen Spezialität Bücherinstallationen sind, fürchtet, die "zurzeit meistgehasste Person Deutschlands" zu sein, reagiert aber dennoch gelassen: "Dass meine Aktion ein Akt der Bücherzerstörung ist, das wurde doch erst von den Medien so dargestellt. Dieser Teil meiner Arbeit sollte vielmehr um das Mobilisieren von Menschen gehen. Ich leide persönlich darunter, wenn Bücher falsch behandelt werden - obwohl mir klar ist, dass das Buch nur die Form ist - was zählt, ist der Inhalt. Wäre es genauso schmerzhaft, eine CD mit dem Text zu zerbrechen? Oder das E-Book vom Computer zu löschen?" Um diese Fragen künstlerisch zu beleuchten, dafür hätte er allerdings zu jedem anderen Titel greifen können. Aber er wählte Sarrazins Buch, das politisch extrem aufgeladen ist: "Weil es die Frage schwieriger und interessanter macht." Im Übrigen glaube er gar nicht mehr daran "dass die Installation so stattfinden wird wie geplant: Bis jetzt habe ich noch kein einziges Buch erhalten."