Aufführungen

Daniel Barenboims vergebliche Mühe um ein Elgar-Oratorium

In England gehört Elgars Oratorium vom "Traum des Gerontius" längst zu den musikalischen Nationalheiligtümern. In Berlin hat man es indessen in rund hundert Jahren von den Philharmonikern dreimal nur hören können. Jetzt kommen unter Barenboim drei weitere Aufführungen hinzu.

Sie werden außerordentlich gut gespielt und vom Rundfunkchor und den Bimm-Bamm-Knaben des Rundfunkchors glänzend gesungen.

In Anna Larsson steht den Aufführungen eine wunderbar wohllautende Altistin bei. Kwangchoul Youn offeriert ihnen seinen volltönenden Parade-Bass. Dennoch wird sich das Werk wohl den verdienten Respekt erobern, aber kaum bewundernde Zuwendung. Vielleicht wird es den Hörern abermals eine Viertelhundertjährige Pause gönnen. Das liegt zunächst einmal vor allem an der Konstruktion des Werks selbst. Es benötigt geschlagene vierzig Minuten für die Einleitung, das musikalisch groß angelegte Sterbepanorama des Helden, das vor allem mitreißend gesungen sein will. Das aber gelang dem Tenor Ian Storey nicht.

Erst nach der Pause, wenn der Held des Oratoriums weitgehend verstummt, kommt man eine weitere Stunde lang in den vollen Genuss der Kunst Elgars. Sie ist sehr klangvoll und schöpft den vollen Reichtum der versunkenen Epoche noch einmal glanzvoll aus. Elgar schreibt eine traditionell romantische Musik, die wie durch Zauberei durchaus gegenwärtig klingt und durchaus zu fesseln vermag. Elgar liefert eine musikalische Dichtung im Oratorien-Format. In der unerschöpflich beredsamen und gleichzeitig ebenso langweilenden Einleitung gewinnt das Nichtssagende musikalisch die Oberhand, mag sich Barenboim auch noch so intensiv dagegen sträuben. Er dirigiert mit den feierlich und tiefstimmig herausgeblasenen Einleitungstakten eine wundervolle Warmherzigkeit herauf, die sich überdies überzeugend zu steigern vermag. Doch dann ist erst einmal Schluss mit Elgars Darstellungskraft. Sie erlischt von Minute zu Minute stärker, um erst im 2. Teil wieder aufzuflammen.

( Klaus Geitel )