Batman Live

Fledermaus im Tiefflug

Es knallt und raucht. Und über die riesige 30-Meter-LED-Leinwand flimmert das Motiv von Gotham City, jener New York City nicht unähnlichen Großstadt aus dem Universum des Antihelden Batman. Die Londoner O2-Arena vibriert, das 3D-Spektakel nimmt an diesem Augustabend des Jahres 2011 seinen fulminanten Anfang.

Mitsamt Bühne werden Schauspieler und Crew dann fünf Jahre lang im wöchentlichen Wechsel mit 24 Trucks durch die ganze Welt ziehen und das zeigen, was nach all den farbenfrohen Comics, Filmen und Computerspielen aus der Geschichte um den Fledermaus-Mann und seinen Begleiter Robin geworden ist. Diese Woche ist Berlin dran.

Wert legt man bei den Produzenten von "Batman Live" vor allem darauf, dass das alles hier kein Musical ist, sondern vielmehr etwas Neues, eine Mischung aus Bühnenillusionen, Stunts, Akrobatik und Videoanimationen eben, eine Live-Show, ein Fest für die Sinne, ganz ohne störende Gesangseinlagen, die hier auch nur vom visuellen Bombast ablenken würden.

50 Tonnen Stahl

Die temporeich inszenierten Sequenzen, allesamt an Hauptmotiven der Originalvorlagen orientiert, leben vom Sounddesign und der extra komponierten Musik. Sie spielen in wechselnden Kulissen, die Leinwand dabei ein gigantisches Comic-Heft aus Leuchtdioden, die sich fortwährend zu neuen Hintergrundbildern ändern und die Atmosphäre in der Arena so maßgeblich mitbestimmen. Die Stadt, dieses drohende schwarze Gebilde, ragt als Miniaturausgabe in die Arena hinein, die Schauspieler laufen aus der Leinwand geradewegs in den Zuschauerraum hinein, lassen so den versprochenen 3D-Effekt entstehen. Wie im Zirkus tanzen sie alsbald und schwingen an meterlangen Seilen akrobatisch-elegant durch die Luft. 50 Tonnen Stahl hat man hier in die Halle verfrachtet, ein unterirdisches "Bühnentaxi" ist jederzeit einsatzbereit, zwölf Wochen hat das Team die Live-Show einstudiert.

Erzählt wird die Geschichte des Erwachsenwerdens der beiden Superhelden, ein Schlüsselmoment des Batman-Comics. Die Eltern des jungen Zirkusartisten Dick Grayson, aus dessen Perspektive die Macher erzählen und der sich später Robin nennen wird, fallen dem organisierten Verbrechen zum Opfer. Auf seiner Suche nach Gerechtigkeit tritt er dann in die Fußstapfen seines Vorbildes, jenes geheimnisvollen Ordnungshüters Batman, der in seiner wahren Identität der Millionär Bruce Wayne ist. Auch er musste als Kind einst miterleben, wie seine Eltern von Straßenräubern getötet wurden.

Die Zuschauer tauchen ein in die Comic-Welt, ins Zirkuszelt von Haly's Circus, die düsteren Regionen der Nervenheilanstalt Arkham Asylum, in der von der Decke hängende Ketten das Gesamtbild dominieren, ins Batcave und die pompöse Eisberg-Lounge des Pinguins. Auch das Batmobil, die futuristische Superkarre, ist ein echter Hingucker.

Batman selbst hat sich verändert

In Batmans Universum, das lässt sich mit einer gewissen Genugtuung feststellen, scheint die Zeit die vergangenen Dekaden über in vielerlei Hinsicht still gestanden zu haben. So hat sich eben auch sein Fortbewegungsmittel seit den späten Sechzigerjahren kaum verändert, als die US-amerikanische Fernsehserie "Batman und Robin" einer der Straßenfeger war und die Produzenten über 100 Folgen hervorbringen ließ. Gleichwohl Batman selbst hat sich regelmäßig gewandelt, da das Publikum vor allem im Kino im Laufe der Jahre nach einer komplexeren Variante des Charakters verlangte.

Auch bei "Batman Live" ist jedoch der Joker, Erzfeind des Fledermaus-Manns und einst von Jack Nicholson verkörpert, der eigentliche Star. Bei seiner auf der Bühne platzierten Riesenmaske bringen Akrobaten Haare und Zähne zum Tanzen. Nicht weniger als zwei LKW-Ladungen sind nötig, um diesen Teil des Set-Designs zum nächsten Aufführungsort zu karren.

Kostümbildner Jack Galloway erzählt im Gespräch mit der Berliner Morgenpost, dass auch die Fertigung von Batmans Outfit eine Herausforderung für sein Team war. So sei es schwierig gewesen, das Kostüm für das Publikum auch aus der Ferne noch als metallenen Panzer erscheinen zu lassen, den in ihm schwitzenden Schauspieler jedoch mit maximalem Tragekomfort zu verwöhnen.

Für den auf der Bühne gebotenen Pomp maßgeblich verantwortlich ist Show-Produzent Nick Grace, der mit dem Musical "Mamma Mia!" durch die Welt tourte und über "Batman Live" sagt, dass er das Gefühl beim Lesen eines Comics auf die Bühne bringen will. Ob "Batman Live" all diejenigen begeistern kann, die Christopher Nolans atmosphärisch-düstere "Batman"-Adaption "The Dark Knight" zu ihren Lieblingsfilmen zählen, ist allerdings zu bezweifeln. Was sicher auch daran liegt, dass man mit dieser Show wohl einfach zuviel wollte: sämtliche Genres mischen, nur ja nicht gewöhnlich sein. Unterhaltsam ist das alles, ein neues Kapitel "Batman" nicht.

Der Besuch in London erfolgte auf Einladung des Veranstalters