Fernsehen

"Tatort": Eine Entführung ist kein Grund zur Hektik

Das Köln, das in den "Tatort"-Filmen mit Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt gezeigt wird, besteht aus verstellten Hinterhöfen, vollgeramschten Garagen, entlegenen Wegen, laubbedeckten Plätzen und gemütlichen Datschen am Rande der Stadt.

In diesem Kleinbürger-Idyll haben auch die Kommissare etwas Spießiges angenommen: Bär als Freddy Schenk erzählt immerzu von seinen Familienpflichten, doch die Verwandten sieht man selten. Behrendt als Max Ballauf gibt den einsamen Wolf, der im Amt ergraut, sich aber nach Liebe und Beständigkeit verzehrt, weshalb er zunehmend unduldsam agiert. Wie in jedem ordentlichen Polizeifilm mit einem Duo gibt es keinen Zweifel daran, dass Schenk und Ballauf das einzig wahre Paar sind und nur die Heterosexualität sie an einem gemeinsamen Leben hindert.

In "Keine Polizei" kommt die Polizeipsychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler) nach Köln zurück, mit der Ballauf eine ebenso lodernde wie tragische Affäre verbindet. Sofort flüstern und kosen die beiden im Büro. Zurück zur Arbeit: Die Kommissare haben es diesmal mit einem Entführungsfall zu tun: Der Student Daniel Wächter (Janusz Kocaj) wird gefangen gehalten, seine Eltern sollen das Lösegeld aufbringen und keine Polizei einschalten. Die kommt der Sache dennoch auf die Spur, und Freddy Schenk erkennt Parallelen zu einer Entführung vor Jahren. Vater Wächter (Thomas Heinze), ein aalglatter Bauunternehmer, kooperiert nur ungern und unterhält nebenbei eine Liebelei; seien Frau tapert als gebrochenes Gespenst durch das geräumige Eigenheim. Max Ballauf wird ungewöhnlich heftig, wenn er dem wenig sympathischen Wächter wütend eine fingierte Entführung vorwirft. Die Nachforschungen bei dem früheren Entführten fördern Tristesse zutage: Der Mann ist psychisch labil und schleicht unrasiert in der Strickjacke durch seine Behausung, die Täter konnten damals nicht gefunden werden. Ein stieseliges Brüderpaar mit Vorstrafenregister macht sich hingegen geradezu mutwillig verdächtig. "Keine Polizei" ist das exotische Beispiel für einen sehr geruhsamen Entführungsfilm. Würde Ballauf sich nicht so aufregen, wäre kaum zu merken, dass "gegen die Uhr" gearbeitet wird.