Konzerthausorchester

Mahlers 3. Sinfonie steigert Vorfreude auf Iván Fischer

Gustav Mahler hat seine 3. Sinfonie gelegentlich ein "Monstrum" bezeichnet, und das ist sie auch mit ihrer pausenlosen Spieldauer von neunzig Minuten und ihren sechs Sätzen, von denen der erste allein schon so lang ist wie eine herkömmliche Sinfonie.

Das Konzerthausorchester breitet sie denn auch geduldig aus, kommandiert von seinem künftigen neuen Chef Iván Fischer, der vom Herbst an das große musikalische Sagen am Gendarmenmark haben wird.

Nach diesem Konzert hätte man statt "Bravo!" auch lauthals "Herzlich Willkommen" rufen können. Das schwierige Stück klang mit all seiner einkomponierten menschlichen Allmacht auf. Die d-Moll-Sinfonie Mahlers ist eine wahre Sinfonie des Menschseins mit all seinen Erschütterungen der Hoffnung, des Glaubens, der Liebe. Sie rangiert sich mit vollmundiger Aussagelust und Aussagekraft durch alle Tiefen von Lebenstrauer und Lebensglück. Sie ist in Wahrheit ein einzigartig auskomponierter Lebensroman. Fischer lässt ihn bewunderungswürdig klar und deutlich aufklingen und darüber hinaus sich auch aussingen.

Dafür stehen der Aufführung die Damen des Rundfunkchors erstklassig zur Verfügung und die Knaben des Staats- und Domchors stehen dem nicht nach. Nur Christianne Stotijn, die junge Altistin aus Delft, hielt mit der Intensität der ihr beigegebenen Künstler nicht mit. Und schon gar nicht mit den aus der Ferne hereinbetenden Trompetenweisen.

Fest steht nach diesem nachgelieferten Festtagskonzert: das Konzerthausorchester hat sich an seiner Spitze den bestmöglichen Nachfolger für den ausgeschiedenen Zagrosek gesucht und ihn in Fischer gefunden. Orchester und Chef können sich auf die künftige weiterführende Zusammenarbeit freuen. Sie sind den Philharmonikern einen entscheidenden Schritt näher gerückt. Der Berliner Musikbetrieb ist wieder ein schönes Quantum spannender geworden.