Berggruen

Verpasste Chance

Es gab eine Zeit, da träumte Klaus Wowereit von einer schönen Kunsthalle am Humboldthafen - als Schaufenster für Berlin als hippe, zeitgenössische Kunstcity. Prominent und von internationaler Strahlkraft sollte die Architektur sein, den erwünschten Bilbao-Effekt erzielen.

Man wusste, welcher Investor dem Regierenden besonders am Herzen lag. Als Top-Bewerber für das Filetgrundstück nahe Hauptbahnhof galt Nicolas Berggruen, Kunstsammler, Karstadt-Retter und internationaler Immobilienmogul, der immer wieder versicherte, wie viel ihm an der Hauptstadt lag. Die Pläne scheiterten.

Chance verpasst. Berggruen steigt mit seiner Sammlung in Los Angeles ein, wird dem Los Angeles County Museum of Art, kurz Lacma genannt, verschiedene Werke als langfristige Dauerleihgabe zur Verfügung stellen. Mehr noch: der Sohn des Kunsthändlers Heinz Berggruen kündigt zudem an, er werde weitere Arbeiten gezielt für das US-Museum ankaufen. "Los Angeles tut viel für die Kultur, und das macht den Unterschied aus", sagte er dem Kunstmagazin Art Newspaper. Ein klarer Seitenhieb Richtung Berlin. Die Ausschreibung und Bedingungen, die der Liegenschaftsfonds damals, im Jahr 2008, für das Grundstück forderte, schienen für keinen Investor erfüllbar. "Unrealistisch, nicht unausgereift und mit heißer Nadel gestrickt" so heißt es in Investorenkreisen. Eine Auflage war offenbar, dass der Investor eine Sammlung zeitgenössischer Kunst im Wert von rund 50 Millionen Euro einbringen sollte. Typische Berliner Selbsteinschätzung kann man da nur sagen. "Folgen der Wirtschaftskrise", so kommentierte später die Senatsverwaltung das Scheitern der Pläne.

Sichere Zugpferde auf dem Markt

Lange war nicht bekannt, in welchem Umfang und welche Künstler Berggruen eigentlich sammelt. Der 50-Jährige ging mit diesen Informationen nie an die Öffentlichkeit. Anhand der Leihgaben-Liste für L.A. kristallisiert sich nun ein starkes Profil. Erste Sahne, erste Liga, schade für Berlin, Glück für L.A. Auf Dollars kommt es bei Milliardär Berggruen ja nicht an, durch seinen Vater hat er das feine Gespür für sichere Zugpferde auf dem Markt. Er konzentriert sich zum einen auf deutsche Künstler, darunter Thomas Schütte, Martin Kippenberger, Gerhard Richter und Joseph Beuys. Die großen West-Küsten-Künstler John Baldessari, Ed Ruscha, Paul McCarthy, Bruce Nauman und Mike Kelley kommen hinzu. Berggruen hat dem US-Museum bereits ein Werk geliehen, Chris Burdens raumgreifende kinetische Installation "Metropolis II". Der Leihvertrag soll für mindestens zehn Jahre gelten.

Berggruens Engagement für L.A. ist freilich nicht neu, bereits seit 2008, parallel zu den Verhandlungen in Berlin, liefen dort die Gespräche. Das Museum kam direkt auf Berggruen zu. "Eine unvergleichbare Situation", kommentiert Ute Kiehn, Berggruens Referentin. "Mit bürgerschaftlichem Engagement geht man in den USA ganz anders um. Bedingungen kann man dort ganz anders und leichter aushandeln." Reaktion des Sprechers des Kultursenats: "Berlin hat sich immer um Nicolas Berggruen bemüht und wir hoffen natürlich, dass er mit seiner Kunst - ganz im Sinne seines Vaters - auch in Berlin präsent sein wird."