Ausstellung

Junge israelische Bildhauer im Kolbe-Museum

Kleiner Blick in die Kunstgeschichte: Bevor die Skulptur abstrakt wurde, war ihr wichtigster Gegenstand der menschliche Körper. I

hn in seiner idealisierten Schönheit zu preisen und immer wieder neu zu vermessen und zu durchleuchten war ihr höchstes Ziel. Heute scheint das anders. Aus den abstrakten Objekten und Installationen der Gegenwart scheint der Körper oftmals gänzlich verbannt.

Nun hat der israelische Künstler Liav Mizrahi im Georg-Kolbe-Museum die Arbeiten von zwölf Künstlern seines Heimatlandes - einer davon ist er selbst - zusammengetragen. Er lebt in Tel Aviv. Spielerisch, oft ironisch und stets vielschichtig setzen sie sich mit dem Körper als mehr oder weniger abwesendem Objekt auseinander. Muskeln, Fleisch? Ade! Der Körper wird dabei zum Spurenelement, das Körperbilder mal zitiert und mal assoziativ umspielt. Da gibt es viele, teilweise groteske Variationen. Voraussetzung: der Besucher muss genau hingucken und die Sehnsucht nach Figürlichem hinter sich lassen.

Bei Ariel Reichmann ist es ein simples Din-A4-Blatt mit der Bleistiftaufschrift "I am not here", das als Platzhalter für den abwesenden Körper steht. Ähnlich minimalistisch sind die Spuren des Körperlichen in den Arbeiten von Danny Yahav-Brown, der einen Stapel Din-A3-Bögen auf einer Palette den Titel "Fist #2" gibt, da sich dort ein Abdruck seiner Faust finden soll. Einen filigranen Kreis formen Elad Amons kunstvoll ineinander gesteckte Wegwerfgabeln aus Plastik. Vordergründig ein minimalistisch abstraktes Kunstwerk, das bei genauerer Betrachtung allerdings an das Rückgrat eines Wirbeltieres oder die kultische Anordnung von Tierschädeln erinnert. In opulentem Kontrast dazu steht Gil Yefmans "Medusa" aus gestrickter Wolle. Ein quallenartiger, enorme Milchbrüste tragender unförmiger Organismus, der mit Geschlechteridentitäten spielt - eine wildwüchsige Auswucherung des Körperlichen.

Wie ein deformierter Kadaver auf einem Seziertisch wirkt die fleischfarbene, wabbelige Silikonform unter dem kreuzförmig angeordneten Lampenarrangement. Er stammt aus dem ehemaligen Palast der Republik. Es handelt sich dabei um eine Gussform für Figurenelemente an der Fassade des künftigen Berliner Schlosses, das an gleicher Stelle errichtet wird. Ein ironischer Kommentar auf eine Berliner Bausituation? Das liegt im Auge des Betrachters.

Georg-Kolbe-Museum , Sensburger Allee 25, Zehlendorf. "Body without Body". Tel. 304 2144. Di-So 10-18 Uhr, bis 19. Februar 2012.