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Klums "Topmodel"-Finale als Reclam-Heftchen

Heidi Klum spielt im derzeit wohl populärsten Theaterstück Deutschlands mit. Es hat den etwas sperrigen Titel "Das ist der Tag, von dem ihr noch euern Enkelkindern erzählen werdet", ist dafür aber voller eingängiger Dialoge wie folgendem.

Heidi: Vielleicht kriegen wir mal ein Schluck Wasser. Haben wir eins?

Thomas H.: Ich glaube nicht, Heidi, aber?

Thomas R.: Oh, haben wir Wasser?

Thomas H.: Wir schaffen das auch so.

Heidi: Wir haben nichts - wir schaffen das auch so!

Thomas R.: Ja.

Heidi: Oh, hoffentlich platzt mir jetzt nich' die Hose!

So klingt es, wenn die Juroren Thomas Hayo und Thomas Rath sich mit Moderatorin Heidi Klum in "Germany's Next Top Model" auf ProSieben unterhalten. Das Theaterstück, das ganz im niveauvollen Stil eines Reclam-Heftchens daherkommt, ist nichts anderes als die wortwörtliche Transkription des 2011-Finales von "Germany's Next Topmodel", kurz: GNTM. Die Idee dazu hatten Grischa Stanjek, 22, und Gregor Weichbrodt, 23, die an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft Kommunikationsdesign studieren und für eine Semesterabschlussarbeit ein Buch gestalten sollten. Warum nicht triviale Fernsehdialoge in ein hochwertiges Produkt packen, dachten sie sich, schrieben die gesamte Sendung vom Bildschirm mit ("die Hölle!") und gestalteten ein hübsches gelbes Büchlein, 120 Seiten dick, komplett mit Regieanweisungen und Werbepausen, die in Gestalt von künstlerischen Fotos die Dialoge an gegebener Stelle unterbrechen.

Gedruckt wurden nur zwei Exemplare, eines für sie und eines für die Uni - aber online gestellt haben sie das Werk Anfang Dezember auch, und damit trat "Das ist der Tag... " seinen Siegeszug an: "Wir haben innerhalb von vier Tagen über hundert Mails mit Bestellungen erhalten", erzählen die zwei. Lehrer wollen es im Unterricht einsetzen, ein Theater möchte es im Februar 2012 zu einer Lesung verarbeiten, Tausende haben den Link bereits geteilt. Jetzt suchen die zwei einen Verlag. Interessiert sind einige, aber wegen der Rechtelage gestaltet sich das schwierig. Stanjek und Weichbrodt veröffentlichten kurzerhand einen juristischen Hilferuf auf ihrer Website. Sicher aber ist, dass die zwei noch ihren Enkeln von diesen Tagen erzählen werden.