Musik zu Weihnachten

Ein Lied geht um den Baum

Für Zuckerpüppchen

Duke Ellington and His Orchestra - Sugar Rum Cherry (Dance of the Sugar-Plum Fairy)

Mindestens ein Stück aus Tschaikowskis Ballett "Der Nussknacker" haben alle schon gehört. In der Version von Duke Ellington ist die Zuckerfee eine Schnapsdrossel und swingt verrucht durch die Straßen New Yorks, dem Sax sei dank.

Für Schrammler

Bright Eyes - Little Drummer Boy

Der schiefste, entrückteste Weihnachtssong, den es überhaupt gibt, stammt aus Omaha, Nebraska. Noch nie war der kleine Trommler so verzagt, so hilflos wie bei Bright Eyes. Folk mit schwerer Pauke und zittriger Trommel muss auch mal sein.

Für die Alleingelassenen

Michael Bublé - Christmas (Baby Please Come Home)

Der Sänger hat alles was man sich wünschen kann; ein eigenes Eishockey-Team, eine bildhübsche Frau, er ist erfolgreich wie kein anderer. Und doch kennt er dieses Gefühl, dass man hat, wenn man alleine durchs Fenster auf die herabfallenden Schneeflocken schaut und wartet bis der geliebte Partner endlich heimkehrt. Wer bei der Stimme nicht zu ihm kommt, ist selber schuld.

Für Hemdsärmelige

Bruce Springsteen - Santa Claus Is Coming To Town

Rau und kehlig kündigt der Boss persönlich das Kommen Santa Claus' an. Natürlich darf auch das berühmte Saxofon nicht fehlen. Clarence Clemons blies das schönste von allen. Inzwischen spielt er mit den Engeln. Gott sei Dank gibt es CDs, so spielt er ewig weiter.

Für Schneemänner

Jackson 5 - Frosty The Snowman

Als Michael Jackson 12 Jahre alt ist, war die Welt noch in Ordnung. Mit der klarsten Knabenstimme erzählt er die Geschichte von Frosty, einem Schneemann, der durch einen Zauberhut zum Leben erwacht. Glöckchen-Motown mit viel Soul und einer herrlichen Funk-Gitarre, die den amerikanischen Klassiker doppelt hörenswert machen.

Für Liebesaspiranten

Engelbert Humperdinck - Winter World Of Love

Weihnachten darf und muss auch kitschig sein. Ende der Siebziger trug man noch Pomade und hielt sehr dünne Mikrofone steil vor den Mund und schrieb nebenbei die tollsten Schlager. Ein Brite, der eigentlich Arnold Dorsey heißt, sang fast wie Sinatra. "Come and kiss me now, before it dies/ We'll find a winter world of love". Recht hat er, küssen sollte man sich!

Für Knarzige

Bob Dylan - Winter Wonderland

Je älter Dylan wurde, desto schlimmer begann seine Stimme zu knarzen. Grandios klingt das, etwa so, als wenn Stein auf Stein reibt. Die Kritiken für sein Weihnachtsalbum fielen eher mäßig aus. Die haben es alle nicht verstanden, oder einfach nicht zugehört. Denn traditionelle, amerikanische Weihnachtslieder von Dylan vorgetragen - was gibt es Besseres?

Für Ölgötzen

Frank Sinatra - Let It Snow

So viel Öl kann einem gar nicht die Kehle herunter laufen, dass man so weich singt. Frank Sinatra konnte es einfach, ohne Ausbildung, weil er eben der Beste war. Sein Orchester lässt die Besen über die Felle huschen, dazu sausen verspielte Trompeten wie tausend kleine Flöckchen vorbei.

Für Blaumacher

Elvis Presley - Blue Christmas

Elvis hat ja ein schlechten Ruf, die Anzüge seien albern gewesen und überhaupt. Quatsch! Elvis ist grandios. Auch wenn es nicht glaubhaft ist, dass der große Sänger ausgerechnet an Weihnachten allein gelassen wird und er deswegen ein trauriges Blue anstatt eines White Christmas feiern muss. Man glaubt es ihm trotzdem.

Für Rodler

Leopold Mozart - Eine musikalische Schlittenfahrt

Musikalität ist definitiv vererblich. Für eine Faschingsveranstaltung komponiert und vierzehn Tage vor der Geburt seines Sohnes Wolfgang Amadeus aufgeführt, kommt die Schlittenfahrt unglaublich heiter daher. Über Stock und über Stein geht es in F-Dur. Peitschenknallen, Pferdeschellenläuten inklusive.

Für Schleckermäulchen

Rolf Zuckowski - In der Weihnachtsbäckerei

Es riecht sofort nach Zimtsternen und Butterplätzchen, wenn man dieses Stück hört. Vom Rührbesen genascht, schmeckt der Teig am allerbesten. Rolf Zuckowski kann ein Lied davon singen. Ein Kinderchor, seine Gitarre, sein Teddybären-Gesang, mehr braucht man nicht, um einen Heidenspaß zu haben.

Für Bimmelburschen

André Rieu - Kling Glöckchen, kling

Mit einem Kinderchor und einem Riesen-Ensemble macht man an Weihnachten garantiert nichts falsch. Das weiß Rieu, setzt sein strahlendstes Lächeln auf und geigt in höchste Sphären, auf dass sich Tore, Türen, Kinder- und eigentlich alle Herzen öffnen.

Für Kürbisköpfe

The Smashing Pumpkins - Christmastime

Die Smashing Pumpkins waren die düstersten Musiker der 90er. Niemand war so griesgrämig und schuf dabei die träumerischsten Rocksongs zwischen Disneyland und Hölle. "Christmastime" mit Oboen und Flöten, dazu erzählt Billy Corgan wie er Geschenke auspackt.

Für Königinnen

Queen - Thank God It's Christmas

Briany May und Roger Taylor schufen diesen typischen Queen-Song. Mercury brauchte nur noch zu singen und das Stück wurde perfekt. Die hymnenhaften mehrstimmigen Chöre, die Glöckchen, die Synthesizer-Orgel, ein echter Queen-Song.

Für Phlegmatiker

Erdmöbel - Weihnachten ist mir doch egal

Mit der Melodie von "Last Christmas" hat die Band aus Westfalen einen Antihit auf Weihnachten geschrieben. "Weihnachten ist mir doch egal/ Ich bin drei Karat Kaugummi-Automat/ Schenk mir ohne Papier, mein billiges, billiges Herz". Konsumkritisch liest sich das jetzt, in Wahrheit ist es nur urkomisch.

Für Trinker

The Pogues - A Fairytale Of New York

Einen Whiskey und ab vor den Kamin. Sänger Shane MacGowan macht das schon seit Jahren. Ihm fehlen zwar ein paar Zähne, dafür singt keiner besser über irische Säufer, die an Heiligabend durch New York irren.

Für Heilige

Thomanerchor - Jauchzet, Frohlocket

Bachs sechsteiliges Weihnachtsoratorium wurde das erste Mal in Leipzig in sechs verschiedenen Gottesdiensten aufgeführt. Zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag 1734 und dem Epiphaniasfest (Dreikönigstag) 1735 sang der Thomanerchor die heiligste aller Weihnachtsgeschichts-Vertonungen. Und singen, können sie immer noch.

Für Giganten

Luciano Pavarotti - Ave Maria

Pavarottis Mariengruß ist von der schönsten Erhabenheit, die ein einzelner zu singen vermag. Karajan nannte ihn den "Jahrhunderttenor" und er verkaufte doppelt so viele Platten wie seine Kollegen Carreras und Domingo zusammen.

Für Pazifisten

John & Yoko / The Plastic Ono Band - Happy Xmas

In Vietnam kämpften die Soldaten aller Seiten einen aussichtslosen Krieg. John und Yoko fanden das natürlich gar nicht gut, setzten sich barfuß auf den Boden und spielten einen Song in der Hoffnung, dass die Sinnlosigkeit bald eine Ende hat.

Für Diven

Christine Schäfer - Erstarrung (aus Franz Schuberts Winterreise)

Neben "Die schöne Müllerin" ist die Winterreise der schönste Liedzyklus Schuberts. Eine Wanderung durch eine eiskalte Winterlandschaft ist zwar hochromantisch, aber natürlich auch ziemlich kalt. Christine Schäfers Sopran lässt einen mitbibbern, wenn Schuberts traurige Komposition einem die Ohren verzaubert.

Für Andersseinwoller

Tocotronic - 17

Elf Minuten und neunzehn Sekunde das langsamste Lied der Welt hören, dann ist es noch von Tocotronic. Der Sänger nölt und erzählt vom Preis des Individuell-Sein-Wollen. An Weihnachten liegen diese Typen allein im Bett, während der Rest an festlich geschmückten Tafeln sitzt.

Für First Ladies

Ella Fitzgerald - White Christmas

Als der Komponist Irving Berlin 1940 den Song diktierte, soll er seiner Sekretärin gesagt haben, dass es sich bei "White Christmas" um den besten Song aller Zeiten handle. Dazu kann man sagen: Stimmt. "White Christmas" gilt als die meistverkaufte Single aller Zeiten. Durch die jazzige Interpretation von Ella Fitzgerald weiß man auch warum.