Vermächtnis

Hochkonzentriert: Das letzte Werk von Julien Green

Ein Traum... (Warum sollt' ein Traum mich ängstigen?)" Dieses Zitat aus Jean Racines Spätwerk "Athalie" steht als Motto dem letzten Roman Julien Greens voran, den er im methusalemschen Alter von 97 Jahren schrieb.

Klare Antworten liegen ihm in seinem 77 Seiten knappen, hochkonzentrierten Prosavermächtnis fern. Immerhin: Er stellt seinem jugendlichen Romanhelden Vivien darin die ominöse Frage, warum ihn wohl ein Traum ängstigen sollte. Denn um einen Traum handelt es sich bei den mysteriösen Geschehnissen, die Vivien - ein Nachfahre von Oscar Wildes Dorian Gray - erlebt. 2008 erschien das französische Original. Es ließ die Green-Fans aufatmen, die Werke wie "Mont-Cinère" oder "Adrienne Mesurat" bewundern und sich von seinem schwülstigen Spätwerk abwendeten: "Der Unbekannte" knüpft an Frühes an. Green geht es auch um die Geheimnisse des Unterbewusstseins. Seine Moral bleibt verborgen, der Zeigefinger wird nicht ausgestreckt.

Julien Green: Der Unbekannte. Aus dem Frz. v. Elisabeth Edl. Hanser, München. 96 S., 12,90 Euro.