Konzert

Emmanuel Pahud spielt acht Minuten - und überzeugt alle

Kürzer und knapper kann man sich den Auftritt eines Stars nicht vorstellen: Emmanuel Pahud, seit annähernd zwanzig Jahren Solo-Flötist der Philharmoniker, spielte zu Beginn und nach der Pause je ein Stück von Debussy und von Berio, beide zusammen etwa acht Minuten lang.

Wenn man sich auch mehr von Pahud ersehnt hatte, so war bei all dieser Kürze seines Vortrags schon klar, dass es sich bei ihm um einen Musiker von Sonderrang handelt. Prompt verschwand Pahud nach seinen Mini-Solo-Auftritten wieder auf seinem angestammten Platz im inzwischen hereingeströmten Orchester, als sei gar nichts Besonderes geschehen. War es aber doch!

Debussys winziges Flötengedicht weiß auf Anhieb gefangen zu nehmen. Es offeriert musikalische Lyrik in Reinkultur, dies aber mit einer derart überzeugenden Absage an alle Flötenvirtuosität als lohne es sich gar nicht, sie großartig in den Vordergrund zu schieben. Luciano Berio war da mit der ersten seiner berühmten "Sequenzen", die allein der Solo-Flöte gewidmet ist, der gegenteiligen Ansicht. Er reizte das Klangvermögen des Instruments und das Können des Spielers voll aus. Pahud spielte seine knifflige Aufgabe vom Blatt, als gelte es die Show "Deutschland sucht den Superstar" zu gewinnen. Er gewann sie tatsächlich.

Als donnernden Schlusspunkt hinter das esoterische Programm hatte der exzellente Nicola Luisotti am Pult die 5. Sinfonie Prokofjews gestellt, entstanden gegen Ende des Krieges und den Sieg schon lauthals feiernd.

Gott sei Dank hatte man zwischen die Flöten-Esoterik und den vollstimmigen Dankbarkeitsrummel des Prokofjew-Orchesters das "Gloria" von Francis Poulenc gesetzt. Poulenc nutzte den ausgezeichneten, von Robin Gritton hervorragend einstudierten Rundfunkchor glücklich aus und konnte sich außerdem auf den eindringlichen Solo-Sopran der jungen Leah Crocetto stützen, wie geschaffen dazu, alle Himmel zu rühmen. Das Publikum rühmte ausdauernd mit.