Sammler

Museumsexperte: Fälscherskandale sind Folge der Vermarktung

Fälscherskandale erschüttern die Kunstszene in Deutschland und den USA. Dass immer wieder Fälschungen in den Markt geschleust werden können, liegt auch daran, dass Kunst zur Ware wird und es zu wenige richtige Kenner gibt.

Das meint zumindest der Kunsthistoriker und Direktor des Duisburger Lehmbruck Museums, Raimund Stecker. Auch in seinem Haus war ein Werk des Kunstfälschers Wolfgang Beltracchi aufgetaucht - das Bild war Teil einer Ausstellung der spanischen Telefongesellschaft Telefónica. Stecker war aber früh genug gewarnt worden. Erst der Skandal um die erfundene Sammlung Jäger, dann eine millionenschwere Affäre um Fälschungen von Kunststars wie Pollock und Rothko in New York - was läuft falsch auf dem Kunstmarkt?

Stecker: "Es gibt zu wenige Kenner mehr in der Sammlerschaft, und es gibt zu wenige Bilder, um den Investitionsnachfragen nachzukommen. Vor 100 Jahren hatten Sammler, die Bilder kauften, eine Sprache dafür und eine Kultur, damit umzugehen. Heute kauft man Labels, heißen sie nun Kiefer, Pollock oder Gerhard Richter." Sind die Sammler also selber schuld, dass sie übers Ohr gehauen werden? Der Kunstgenuss stehe bei den Käufern oft nicht mehr im Mittelpunkt. Die Kunstwerke würden oft in Depots versteckt. Nach Meinung von Stecker tragen Fachleute, die Kunst auf ihre Echtheit überprüfen, ebenfalls Schuld an den Fälscherskandalen. Er forderte umfassende naturwissenschaftliche Analysen von Kunstwerken, die auf dem Markt angeboten werden sollten.

Die jüngsten Fälscheraffären schadeten der gesamten Kunstszene, "weil einfach eine Glaubwürdigkeit infrage gestellt worden ist". Im Oktober war der Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi in Köln zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte den Markt mit Fälschungen von Avantgarde-Künstlern wie Max Ernst oder Max Pechstein übers Ohr gehauen. In New York sind kürzlich zahlreiche Werke moderner Kunst, unter ihnen angebliche Arbeiten von Mark Rothko, kopiert worden.

Muss man damit rechnen, dass weitere Fälle im Stile von Beltracchi kommen? Stecker: "Beltracchi wurde als heimlicher Held vermarktet. In dem Augenblick, wo die Nachfrage nach Werken da ist, aber das Angebot nicht entsprechend, wird die kriminelle Energie gekitzelt."