Konzert

De la Soul: Yo man, so groovy waren die Neunziger

Es gibt Bands, von denen man denkt, dass sie seit Jahren nicht mehr existieren. Irgendwann schlich sich das merkwürdige Gefühl ein, dass diese Musik, so bahnbrechend, modern, wegweisend usw. sie zu ihrer Zeit auch gewesen sein mag, heute doch irgendwie angestaubt, irgendwie vorgestrig klingt. Manchmal, wie im Fall von De La Soul, liegt das aber auch nur am unveränderten Kleidungsstil.

1989 machte das New Yorker HipHop-Trio mit dem exotischen Namen erstmals auf sich aufmerksam. Ihr Debüt "3 Feet High And Rising" galt als Meisterwerk und etablierte Kelvin Mercer, David Jude Jolicoeur und Vincent Mason im Dunstkreis der Native Tongues Posse, einer alternativen HipHop-Bewegung, die im Pop, Jazz und Soul gleichermaßen wilderte. Bereits im Titel ihres zweiten Albums erklärten sie: "De La Soul Is Dead". Seither verschwand der Humor immer mehr aus dem Genre, das Sexuelle wurde eingeschmolzen in den Goldketten und Plastikbrüsten des R&B-Gedöns. De La Soul sind ihrem Do-It-Yourself-Prinzip und ihren geschmacksfreien Outfits treu geblieben, die auf der Bühne im Astra Kulturhaus wirken, als hätten sich die Herren vor dem Auftritt noch schnell bei Kik eingekleidet. Solche Klamotten meint man hierzulande zuletzt auf einem Schulhof in den seligen 90er-Jahren gesehen zu haben, bevor der Trend in die Randbezirke abwanderte. Im Astra sieht man auch im Publikum wieder einige von solchen Exemplaren: Basecap, Hose in den Kniekehlen, klobige Skater-Schuhe, Kapuzenpulli.

Während im Vorprogramm noch Messetreiben herrscht, wandelt sich die Atmosphäre mit dem ersten Ton aus Masons Turntables schlagartig. Es bedarf gar nicht der ständigen "Make some noise"-Befehle, um das Publikum, oder nennen wir es mal die Crowd, in Stimmung zu bringen. Text- und Rhythmussicherheit sind für diese Veranstaltung Voraussetzung. Nach dem Warm Up mit "Pease Porridge" tigern Mercer und Jolicoeur auf die Bühne.

Es ist ganz schön zu beobachten, wie inbrünstig die Drei sich beim Rappen und Scratchen einen Schlagabtausch liefern. In wenigen Stücken erfährt HipHop seine Vollendung, wie in "Me, Myself And I" oder "A Roller Skating Jam Named Saturdays", in dem sich Mercers und Jolicoeurs Stimmen überschlagen, der Beat weiterblubbert und Mason von hinten anfeuert.

Kein neues Label, kein neues Image

De La Soul würden sich wohl nicht mehr solcher Beliebtheit erfreuen, wenn sie nicht so unterhaltsam wären. Sie steuern unaufgeregt durch den Abend, nehmen hin und wieder das Tempo raus oder unterbrechen einen Song, wenn die Arme nicht mehr hoch genug im Takt wippen. "Higher, higher", brüllt Mason. Dass das Ganze nicht Fremdschämen hervorruft, verdankt sich wohl allein der Tatsache, dass De La Soul auf jegliches Brimborium verzichten, wie sie die letzten Jahre so manches vermieden haben, was im HipHop üblich geworden ist: kein Label, keine neue Platte und auf keinen Fall ein Imagewechsel. "Fuck that being young shit", flucht Jolicoeur alias Dave gen Ende des Konzerts und bedankt sich bei allen Fans, die über 40 sind, für ihre langjährige Unterstützung. An diesem Dezemberabend haben De La Soul eine schweißtreibende, orgiastische Party veranstaltet. Doch am nächsten Morgen ist man nicht mehr sicher, ob die Party einen Tag oder zwanzig Jahre zurückliegt. Zeit, den Ghettoblaster zu entstauben.