Louis-Lewandowski-Festival

"Ein Flämmchen bewahrt"

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Volker Blech

Die Chorsänger reisen heute an, sie kommen aus Boston, London, Johannesburg oder Jerusalem. Am Abend gibt es das erste Treffen der rund 300 Beteiligten, die dem Tross der insgesamt acht Chöre angehören. Auch ein Besuch des Jüdischen Friedhofs in Berlin-Weißensee gehört zum Programm, dort liegt der Namensgeber des neuen Festivals begraben.

Seinetwegen sind sie nach Berlin gekommen, zum ersten Louis-Lewandowski-Festival. Ihm, dem wichtigsten Reformator der Synagogalmusik, ist ein dreitägiges Programm gewidmet, das seine liturgische Musik quer durch die Stadt präsentiert.

Ein symbolisches Ereignis, wie es Festivaldirektor Nils Busch-Petersen beschreibt: Am Sonnabend wird es an sieben Orten, darunter dem Centrum Judaicum, der Martin-Luther-Gedächtniskirche, dem Rathaus Köpenick und dem Jüdischen Museum, ab 18,30 Uhr gleichzeitig Konzerte geben. "Seit der Shoa gab es nie so viele Aufführungen von Lewandowski an einem Tag in Berlin", sagt Busch-Petersen. Vor 70-80 Jahren, bevor die Nazis mit der Zerstörung des jüdischen Lebens begannen, wurde Lewandowskis neue Liturgie in zwölf Synagogen zugleich aufgeführt. "Viele haben die Liturgie auf der Flucht mitgenommen", sagt der Festivalchef.

Louis Lewandowski war 1821 in Wreschen (Posen) als Sohn eines armen Synagogendieners geboren worden. Bereits mit 12 Jahren kam er nach Berlin. In der hiesigen Jüdischen Gemeinde wurde man schnell auf seine Musikalität aufmerksam, schickte ihn aufs Gymnasium. Mit Fürsprache Alexander Mendelssohn konnte Lewandowski als erster Jude an der Berliner Akademie der Künste studieren. Er wurde das, was man einen weltlichen Komponisten nennt.

Eine mehrjährige schwere Krankheit brachte ihn zurück in die Synagoge, dort verband er in den Folgejahren die weltliche Musik mit dem strengen jüdischen Ritus, bei dem bis dahin keine Instrumente zugelassen waren. Er entwickelte eine neue Liturgie mit Orgelbegleitung für den jüdischen Gottesdienst. Es ist gleichsam auch ein Stück der kulturellen Assimilation ins protestantische Umfeld. Lewandowski starb, überregional hoch geachtet und als Professor geehrt, im Jahr 1894.

In Berlin wird seine Liturgie seit 1947 wieder in der Synagoge Pestalozzistraße gepflegt. "Es war ein kleines Flämmchen, das bewahrt wurde", sagt Busch-Petersen, der als Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg zum Förderverein des Synagogal Ensemble gehört. Nachdem er Sponsoren gesprochen hatte, lud er die ersten Chöre ein. Drei, vier Ensembles mit 12 bis 14 Sängern sollten es sein. "Wir haben einige Irrtümer erlebt", sagt er lächelnd. Als erste meldeten sich London mit 50 Leuten, Straßburg mit 45 an, das Budget musste nachgebessert werden. Zum Abschlusskonzert treffen sich alle am Sonntag um 17 Uhr in der Synagoge Rykestraße.

www.louis-lewandowski-festival.de