Konzert

Autohupen und Tempelglocken in der Philharmonie

Ein wenig fragte man sich schon, wo sich denn in Bartóks fest gefügter "Tanz-Suite" überhaupt noch ein Tanzschritt unterbringen ließe. Das Werk feierte einst die fünfzigjährige Wiederkehr des Zusammenschlusses von Buda und Pest.

In der Philharmonie konnte man mit gleichem Recht den Zusammenschluss des Deutschen Symphonie-Orchesters mit seinem hervorragenden Gastdirigenten Robert Spano feiern. Spano erwies sich als von bestechender Autorität am Pult: ein Musiker durch und durch, dem es ohne Umschweif gelang, den angekündigten kniffligen Stücken auf ihren kompositorischen Grund zu gehen. Das bewies er auf Anhieb mit Bartóks umherschweifender "Tanz-Suite", deren musikalische Quellen weit über ungarische Folklore hinausgreifen.

Weit über diese dahertanzende Phantastik greift Ligeti mit seinem "Grand Macabre" hinaus: Er erzählt willentlich eine undurchschaubar phantasievolle Geschichte, die allein schon hinter dem Aufgebot an 41 Schlagwerkzeugen nicht zurücksteht. Autohupen lassen sich hören und japanische Tempelglocken, Holzplatten und Dampfschiffpfeifen, Brummtöpfe, ein Pistolenschuss. Dazwischen wird das Orchester voll ausgereizt, vor allem die Blechbläser scheinen auf ewiger Wanderschaft durch die abenteuernde Partitur.

Sie wird beherrscht durch einen schier unvergleichlichen Sänger, noch dazu einen Tenor, aufgelegt zu allen erdenklichen Stimm-Faxereien. Wolfgang Ablinger-Sperrhacke (den Namen könnte Ligeti erfunden haben) sauste die Tonleitern zielsicher hinauf und herunter wie bei einer Weltmeisterschaft in kauziger musikdramatischer Aktivität.

Ihm annähernd ebenbürtig der Bassist Thomas J. Mayer, assistiert von zwei Damen, Silke Evers (Sopran) und Nadine Weissmann (Mezzo), die sich in der abschließenden Passacaglia hervortun konnten. Alle vereint schluckten den großen, einhelligen Beifall für Ligetis Werk sichtlich mit Behagen.