Interview mit Matthias Schweighöfer

"Ich bin sehr gern ein Mann"

Männer als Frauen im Kino? Dieser Trend hatte mal, lange ist es her, für sehr viele Zuschauer und auch einige Begeisterung gesorgt. Aber außer "Charlies Tante" und "Tootsie" kann man sich an keinen der Filme erinnern, bis auf vielleicht noch "Priscilla, Königin der Wüste". Und warum? Weil sich das Konzept totgelaufen hatte. Irgendwann sind alle Scherze über Männer in Frauenkleidern erzählt. Sollte man denken.

Aber dann kommt Matthias Schweighöfer und lässt sich von Detlev Buck so inszenieren, wie man es glaubt, entweder noch nie oder sehr sehr lange nicht mehr gesehen zu haben. Peter Beddies sprach mit ihm über den neuen Film "Rubbeldiekatz"

Berliner Morgenpost: Respekt Herr Schweighöfer. Wenn man Sie auf der Leinwand anschaut, vergisst man hin und wieder, dass ein Mann eine Frau spielt.

Matthias Schweighöfer: Danke. Geht mir aber, wenn ich das sagen darf, ähnlich. Ich war überrascht, zum Glück positiv überrascht, das ich auf der Leinwand zumindest ein bisschen aussehe wie eine Frau. Aber das war auch die Grundvoraussetzung. Weil das ganze Ding sonst nach hinten losgegangen wäre. Ich war mir mit Detlev einig, dass es auf keinen Fall tuntig aussehen darf. Ich hab den Film jetzt sechs Mal gesehen...

Berliner Morgenpost: ...Sehen Sie Ihre Filme immer so oft?

Matthias Schweighöfer: Nein, ich glaube, dass ich noch nie in meinem Leben einen Film mit mir so oft gesehen habe. Und es geht mir tatsächlich so, dass ich im Kino sitze und vergesse, dass ich das da bin als Frau. Ist echt schön.

Berliner Morgenpost: Machen wir's ganz praktisch. Wie wird man zur Leinwand-Frau?

Matthias Schweighöfer: Make Up ist das eine große Geheimnis. Aber man kommt nicht umhin, sich zeigen zu lassen, wie unterschiedlich eine Frau die täglichen Dinge des Lebens tut.

Berliner Morgenpost: Bei wem haben Sie Unterricht genommen? Oder ist das das falsche Wort?

Matthias Schweighöfer: Nein, Unterricht ist genau das richtige Wort. Zwei Wochen mit einem Model: Zoe. Sie konnte unheimlich gut laufen und wir haben dann gemeinsam trainiert.

Berliner Morgenpost: Was genau?

Matthias Schweighöfer: Zum Beispiel in High Heels zu laufen. Das sah dann immer so aus, dass ich ihr gesagt habe: "Zoe setz Dich mal hin". Und dann hab ich geguckt, welche Gesten sie macht. Wie setzt man sich hin? Wie hält man ein Glas? Die Hauptbewegungen hab ich mir alle eingeprägt und mir immer wieder angeguckt und immer wieder nachgespielt. Und daraus hab ich dann meinen eigenen Stil entwickelt.

Berliner Morgenpost: Wie oft stellt man sich beim Spielen die Frage: "Wäre ich gern eine Frau"?

Matthias Schweighöfer: Diesem Themenfeld musste ich gar nicht näher kommen, weil es schon immer klar war: Ich bin sehr gerne Mann

Berliner Morgenpost: Können Sie Frauen jetzt besser verstehen?

Matthias Schweighöfer: Ja und Nein. Was mich immer noch nervt, das sind zickige, befindliche Frauen. Das nervt mich. Ja.

Berliner Morgenpost: Was genau sind "befindliche" Frauen?

Matthias Schweighöfer: Wenn sich Frauen gewisse Dinge antun und dadurch dann so zickig werden. Zum Beispiel das ständige Laufen in High Heels. Oder sich so super hübsch machen und sich dann so in gewisse Kleider reinpressen. Da bekommt man dann eine gewisse Aggressivität und wird dadurch befindlich. Dann hast Du als Mann eigentlich gar keine Chance mehr. Das ist wirklich so. Und dann biste auch gleich schuld. An allem!

Berliner Morgenpost: Schönes Motto: "High Heels abschaffen".

Matthias Schweighöfer: Oh nein, auf keinen Fall. Die machen ja ein sehr schönes Bein. Auch wenn ich in meinen Heels im Film immer umgeknickt bin. Aber man sollte Frauen nicht bedauern, wenn sie diese Dinger tragen. Es gibt andere schöne und bequeme Frauenschuhe.

Berliner Morgenpost: Hat Ihre Filmpartnerin Alexandra Maria Lara versucht, das weibliche Element in Ihnen zu entdecken?

Matthias Schweighöfer: Das war sehr skurril. Sobald ich ein Mann war, hat Alex auch sofort anders reagiert. Aber bei den Kostümproben! Ich immer schon in meinem Kostüm. Mir ging es so auf den Sack, immer wieder irgendwas anprobieren. Dann kam noch jemand mit einem Kostüm. Und dann die Dialoge: "Boah - Wahnsinn - Das ist jetzt Nude". Und dann dachte ich mir auch so: "Fuck, das ist ja so verflucht eng. Und Alexandra darauf zu mir: "Oh guck mal, ist von Chanel". Diese Begeisterung die auf einmal losging, nur wegen der Kleider, die da waren.

Berliner Morgenpost: 2011 geht in wenigen Tagen zu Ende. Lassen Sie uns eine Bilanz ziehen.

Matthias Schweighöfer: Ein schönes und ein trauriges Jahr. Traurig im Sinne von Lebens verändernd. Weil man halt doch sehr müde war.

Berliner Morgenpost: Man könnte sagen: extrem überarbeitet.

Matthias Schweighöfer: Ja, genau. Wenn man so merkt, dass man 14 Monate am Stück durchgearbeitet hat, geht halt auch viel Zeit flöten. Einfach grundsätzlich. Zum Glück hat mir mein Körper ein Zeichen gegeben, bis hier hin und nicht weiter.

Berliner Morgenpost: Sie meinen, Ihre Blinddarm-OP.

Matthias Schweighöfer: Da liegst Du halt im Krankenhaus und denkst, vielleicht habe ich doch ein bisschen viel Gas gegeben.

Berliner Morgenpost: Unter anderem mit Ihrem Regiedebüt "What A Man".

Matthias Schweighöfer: Dem zweiterfolgreichsten Debütfilm aller Zeiten in Deutschland. Ist doch cool, oder? Unglaublich. Auch wenn es sehr sehr viel Kraft gekostet hat.

Berliner Morgenpost: Das Ziel für 2012?

Matthias Schweighöfer: Das Leben ist wichtiger als jeder Film.

Berliner Morgenpost: Also keine Filme?

Matthias Schweighöfer: Oh doch. Das erste Projekt 2012 heißt "Schlussmacher" - meine nächste Regiearbeit. Es geht um eine Trennungsagentur. Wir produzieren wieder selber. Aber wir drehen erst im März. Mitte Ende März.

Berliner Morgenpost: Wie steuert man das als Schauspieler/Regisseur am besten, wenn alles zuviel wird?

Matthias Schweighöfer: Eigene Firma gründen. Ich merke jetzt auch so: 30 Jahre alt. Das klingt so krass. Ich muss ehrlich sagen, ich hab 15 Jahre nur gearbeitet. Wo ist die Zeit hin? Und da hab ich mir gedacht: In der eigenen Firma bin ich halt immer der Chef und kann alles um mich herum timen. Auch mein Leben. Ich hab ein Kind. Ich hab ein Leben. Man kann keine Filme machen, wenn man keine Zeit hat, aufs Leben zu gucken.