Martin Grubinger

Schlagende Argumente

Im Auto geht Martin Grubinger ans Telefon, er ist wieder einmal unterwegs. Multitasking, Gleichzeitigkeit - das sind wohl Stichworte, die das Leben des angesagten Multi-Perkussionisten beschreiben.

Er ist das, was man heute einen Premiumkünstler nennt. Grubinger bedient nicht nur ein riesiges Instrumentarium auf einmal: Marimbaphon, Xylophon oder Bongo. Spielend bringt der Crossover-Trommler damit Musikrichtungen von Klassik bis Salsa und Tango auf die Bühne.

Und ein Entertainer ist er auch. In seinen Konzerten bearbeitet er die Schlaginstrumente gerne mal mit sechs Stöcken auf einmal - pro Hand wohlgemerkt! "Es sieht dann so aus, als hätte ich Flügel, als könnte ich damit abheben". Tatsächlich: Schaut man dem gebürtigen Salzburger beim Trommeln zu, sieht man die Stöcke nur so durch die Luft fliegen. Aber engelhaft wirkt der Schlagzeuger nur sehr selten, zumeist erinnert seine Performance eher an die eines trommelnden Teufels. Wie in Trance bewegt sich Grubinger blitzschnell zwischen den Instrumenten. "Im Konzert sehe ich mich dann nicht mehr spielen. Mein Unterbewusstsein spult die einzelnen Bewegungen schon völlig automatisch ab, ich merke es gar nicht mehr", sagt er.

Als abgehoben möchte er nicht gelten, obwohl der 28-Jährige als einer der besten Schlagzeuger gilt: "Solchen sportlichen Etikettierung stehe ich skeptisch gegenüber", gibt er zu bedenken "weil Musik stets von subjektiven Empfindungen geprägt ist. Vielleicht bewegt den Zuschauer meine Mozart-Interpretation - bis er einer Woche später dasselbe Stück von einem unbekannteren Künstler hört und vielleicht noch mehr berührt ist."

Bereits als Vierjähriger griff Grubinger das erste Mal zum Xylophon. Nüchtern bezeichnet er diesen ersten Schritt als "logische Konsequenz". Schließlich ist sein Vater Schlagzeuger und Musiklehrer: "Da war das Instrument immer präsent und ich bin automatisch ins Trommeln hineingewachsen." Einfach zugelangt in die Instrumentenwelt, die da vor ihm, verstreut vor seinen Augen lag, drauflos getrommelt, logisch. Als "konkurrenzfähig" hat er sich mit zwölf Jahren selbst eingeschätzt. Schon als 17-Jähriger glänzte der jugendliche Grubinger dann auf internationalen Wettbewerben, heute erdenken sich Komponisten wie Rolf Wallin, Anders Koppel oder Bruno Hartl eigens für ihn und seine Projekte neue Takte.

"Das schöne beim Schlagzeug ist, dass es ein sehr multikulturelles Instrument ist. Es hat seine Wurzeln in so vielen Musikstilrichtungen, kaum eine kommt ohne aus. Tango- und Sambamusik und kein Schlagzeug? Unvorstellbar." Fragt man den Trommelkünstler nach seinem Lieblingsinstrument, möchte er sich nicht recht festlegen: "Vielleicht das Marimbaphon" murmelt er leise.

Im Konzerthaus, wo er heute mit der Camerata Salzburg gastiert, will er mit völlig ungewöhnlichen Bearbeitungen überraschen; "ein bisschen out of order" sein. Und wenn vor lauter Leidenschaft ein Schlagstock daran glauben muss? "Dann greife ich zwischendrin blitzschnell nach links, dort liegt mein Ersatzstick, und es geht weiter."

Konzerthaus am Gendarmenmarkt, Mitte. Tel. 203 09-2101 Heute um 20 Uhr.