Deutsche Oper

Donald Runnicles gedenkt einer abgelaufenen Zeit

Hat es sich der wuchtige Donald Runnicles am Pult je leicht gemacht? Auch an der Spitze der Philharmoniker spielt er, der Musikchef der Deutschen Oper, nicht gerade mit Herkömmlichem auf. Die 1. Sinfonie seines Landmannes Edward Elgar stand seit rund zehn Jahren nicht mehr auf dem Programm der Berliner. Runnicles lässt sie nun kräftig aufleben.

Das Stück setzt so etwas wie einen Schlusspunkt hinter die Entwicklung der Sinfonie im 19. Jahrhundert. Es stützt sich auf die Vergangenheit, aber es visiert wenig Zukunft. Die aber hatte bereits mit dem Werk Schönbergs in Wien begonnen. Elgar aber hielt der klassisch durchseuchten Romantik die Treue, am eindringlichsten mit dem dritten Satz der As-Dur-Sinfonie, einem seelenvollen Adagio, das geradezu unwillig scheint, je aufzuhören: großartige Gedenkmusik einer abgelaufenen Zeit. Das wundervolle Gestern wird mit kundigem Geist und kundigen Händen aufbereitet. Runnicles weist ihm verständnis- und liebevoll den richtigen Weg.

Begonnen hatte er den Abend mit einem leicht älteren Stück, das sich erstaunlicherweise aber als musikalisch abenteuerlustiger erwies: dem "Don Quixote" von Richard Strauss, den "fantastischen Variationen über ein Thema ritterlichen Charakters". Sie haben es mit ihrer überquellenden Erfindungslust und Erzählfreude zu einem gewissen Albtraumcharakter musikalischen Erzählens gebracht. Zwei instrumentale Solo-Stimmen fügen sich der schweifenden musikalischen Kurz-Darstellung des Romans von Cervantes ein. Das Cello spricht tiefstimmig und ernst die Rolle der Titelfigur, die Bratsche gibt den aufgekratzten Kommentar des Dieners Sancho Pansa über die Kauzigkeit seines Herrn ab. Strauss gibt jedem von ihnen genug Zeit, sich auszusprechen.