Philharmoniker

Erben will gelernt sein: Bach-Sohn Nr. 11 im Kammermusiksaal

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Klaus Geitel

Die Orchesterakademie der Philharmoniker, konzertierend im Kammermusiksaal des Hauses, spart nicht mit Überraschungen der denkbar angenehmsten Art.

Ihr Konzert ist ausverkauft bis hoch unters Dach. Das erlebt man im Kammermusiksaal nur selten. Es liegt aber natürlich auch daran, dass Murray Perahia auf seine diskrete Weise die Leitung des Abends übernommen hat. Schließlich hat er in dieser Saison als "Pianist in Residence" repräsentative Aufgaben zusätzlicher Art übernommen. Er spielt mit Finesse und Autorität.

Aber auch die Akademie überrascht. Ihre Namensliste erinnert an die der friedlich Vereinten Musiknationen. Das beginnt mit der Flöte von Se-Hyun Kim und endet mit dem Kontrabass von Ander Perrino Cabello. Deutsche Namen machen sich dagegen verhältnismäßig rar. Das ist schade. Schließlich sollte die Akademie der Berliner nicht einzig dem Renommee der Musiker, sondern auch ein wenig der Stadt dienstbar sein. So oder so: die Gruppe, die ihre Spitzenpositionen im Verlauf des Konzerts wechselt und durchaus die Konzertmeister austauscht, spielt selbst ohne Dirigenten durchaus bestrickend.

So jedenfalls fängt sie an. Bachs B-Dur-Symphonie op.3 Nr. 4 steht am Beginn. Aber sie stammt aus der Feder des Sohnes, nicht des Vaters. Johann Christian Bach hat sie komponiert, das elfte Kind von den 13, die Johann Sebastian ins Leben setzte - und einige von ihnen auch mitten hinein in die Musik. Man lernte Musik damals noch wie ein Handwerk, auf dem sich durchaus ein erfolgreiches Leben gründen ließ. Johann Christian verstand jedenfalls seine Lehre beim Vater zu nutzen. Seine kleine B-Dur-Sinfonie besitzt durchaus eigenen Reiz und greift in der Wahl ihrer Mittel schon durchaus über den schöpferischen Radius des Vaters hinaus. Zu erben muss man halt verstehen, erben wird am Ende Musik.

Perahias Programm und das seiner zuhöchst kultivierten jungen Mannschaft, die übrigens erzkonservativ im Frack auftritt, weist ohrenöffnend diesen Erbgang aufs Feinste nach. Perahia spielt Vater Bachs f-Moll-Konzert Nr. 5, aber auch das weit ausschwingende, unternehmungslustigere von Beethoven in B-Dur, dem man die Nummer 2 aufgepflastert hat. Das Schlusswort sprach Joseph Haydn mit der "Oxford"-Sinfonie.