Sachbuch

Auf der Suche nach sich selbst - der genetische Weg

Ernst Peter Fischer

"Es gibt ein Gen, das kleine Brüste verursacht, wenn du zu viel Kaffee trinkst." Als die dänische Biologin Lone Frank diese Auskunft von einem Genetiker bekommt, glaubt sie erst, der Mann scherze.

Aber die Fakten sind nicht zu leugnen: "Eine Untersuchung an gesunden Frauen im gebärfähigen Alter hat ergeben, dass diejenigen, die täglich Tee oder mehrere Tassen Kaffee tranken, ein signifikant geringeres Brustvolumen hatten", wie die Autorin eine Studie zitiert, in der es dann genauer heißt, dass dies nur der Fall ist, wenn in einem bestimmten Gen - CYP1A2 - an einer bestimmten Stelle ein bestimmter chemischer Baustein sitzt.

Wer will, kann eine Fülle von genetischen Informationen über den Zustand seiner Zellen und der daraus bestehenden Person bekommen, die man ist, und Lone Frank wollte es. Sie wollte wissen, wie ihr persönliches Genom beschaffen ist, also die Gesamtheit ihrer Erbanlagen in ihren Zellen, und sie wollte dies nicht nur als Wissenschaftsjournalistin wissen, sondern auch als Tochter von Eltern, die mit unterschiedlichen Schwierigkeiten -zum Beispiel Depressionen - zu kämpfen hatten. Frank wollte ihr "wundervolles Genom" trotz der Skeptiker kennenlernen, die in oft sterilen Vorträgen ein "Recht auf Nichtwissen" propagieren.

Die Autorin macht bei ihrer wissenschaftlichen Selbsterkundung sogar eine überraschende Erfahrung. Sie fühlt sich "präsenter in meiner Biologie". Frank führt uns den Unterschied zwischen sensiblen und robusten Varianten von Genen vor und in die Raffinessen der Epigenetik ein. Und sie stößt auf ihrer Forschungsreise auf Paradoxien, die jedes Leben mit jeder Vorgabe von Genen bereichern.

Lone Frank: Mein wundervolles Genom. Ein Selbstversuch im Zeitalter der persönlichen Genforschung. Hanser, 323 Seiten, 19,90 Euro