Kunst

Frankfurter Städel zeigt unbekanntes Gemälde von Raffael

Lange galt das Bild als Kopie. Ab 15. Dezember hängt eine bisher unbekannte Fassung von Raffaels Renaissancegemälde des Papstes Julius II. im Städel. Das Frankfurter Museum hat das 1511/12 entstandene Werk in seine wiedereröffnete Sammlung Alter Meister aufgenommen.

"Wir haben das bis vor vier Jahren als Kopie geltende Bild vor einem Jahr erworben, weil wir sicher waren, dass es ein Original ist", sagte Museumsdirektor Max Hollein. Zwei weltbekannte Versionen des Papstporträts hängen in der Londoner National Gallery und in den Uffizien in Florenz. Das Städel kaufte das Bild 2010 von einem Privatsammler, der es im Wiener Dorotheum 2007 als Werk eines Raffael-Nachahmers ersteigert hatte. Hollein nannte keinen Kaufpreis, das Gemälde sei für das Museum gleichwohl für eine Summe deutlich unter dem Marktwert erworben worden.

Das vom Städel erworbene Bild wird Raffael und seiner Werkstatt zugeschrieben. "Selbst interessierte Galeriebesucher haben oft falsche Vorstellungen von einem Original", erklärte Jochen Sander, Leiter der Alte-Meister-Sammlung. Kein alter Meister, ob Raffael, Tizian oder Leonardo da Vinci, habe ein Gemälde allein angefertigt, sondern stets mit Hilfe von Mitarbeitern und Schülern in seiner Werkstatt. "Wichtige, maltechnisch anspruchsvolle oder gestalterisch maßgebliche Abschnitte eines Bilds sind aus der Hand des Meisters selbst", so Sander dar.