Philharmoniker

Die Violine des Meisters klingt etwas piepsig

Sie sind wieder da. Sozusagen als musikalisches Weihnachtsgeschenk. Die Philharmoniker haben ihre Asientournee unter Simon Rattle beendet und stellten sich nun unter dem Ungarn Iván Fischer, dem künftigen Chef des Konzerthausorchesters, frisch und munter mit einem höchst ungewöhnlichen Programm vor.

Den Beginn machten die "Symphonischen Minuten" von Erno Dohnányi, dem Großvater von Christoph, dem Dirigenten, und Klaus, des Politikers. In zehn Minuten stürmen fünf höchst unterschiedliche Stückchen auf die Zuhörer ein und wecken die Lust am Zuhören, ohne sie allerdings auch voll und ganz zu befriedigen. Dohnányis"Minuten" von 1933 stellen die musikalische Weltuhr um mehr als nur ein paar Stunden zurück. Sie sind herzhaft gestrig und machen nur Parade zum eigenen Nutzen. Sie verbreiten nichts als ein kurzweiliges Geräusch. Den Beschluss des Konzerts machte die 5. Sinfonie des 19-jährigen Franz Schubert, ein kleines Meisterwerk in der Nachfolge Mozarts. Noch überraschender freilich waren die "Fünf Deutschen Tänze" des erst 16-Jährigen, ursprünglich als Streichquartette zu Papier gebracht, aber für ein Streichorchester uminstrumentiert. Wahre Köstlichkeiten musikalischer Unterhaltsamkeit, das Ohr mobilisierend.

Hauptwerk des Abends aber war das Violinkonzert Nr. 3 g-Moll von Jenö Hubay, von Daniel Stabrawa, einem der drei Konzertmeister des Orchesters, leichtfingrig und virtuos vorgetragen. Und das auch noch auf einer alten Geige aus dem Besitz des Komponisten, die sich der Akustik des großen Hauses allerdings nicht recht gewachsen zeigte. Sie klang zeitweilig über Gebühr piepsig und fehl am Platz, obwohl Stabrawa das Stück mit Hingabe und Finesse zu Gehör brachte. Nun wird man Hubays Werk, zuletzt 1914 von den Philharmonikern in Berlin aufgeführt, wahrscheinlich die nächsten hundert Jahre lang nicht wieder hören, allerdings auch ohne es groß zu vermissen. Es genügt, wenn Stabrawa mit seiner Meisterschaft dem Orchester noch ein paar Jahre erhalten bleibt.