"Brand"

Wenn Josef Bierbichler mal nicht zupackt

Natürlich müssen wir an dieser Stelle als erstes von Josef Bierbichler sprechen. Er spielt die Titelrolle in "Brand", und wie immer, wenn der bayerische Charakterkörperschauspieler die Hauptrolle übernimmt, ist er der energetische Dreh- und Angelpunkt, als wäre das ein physikalisches Gesetz.

Ist es aber nicht, es ist Kunst, und das fällt vor allem in Thomas Roths ("Falco - Verdammt, wir leben noch!") Film auf, in dem Bierbichler neben einem zaundürren Denis Moschitto einen Schriftsteller mit Schreibblockade gibt. Aus Künstlerfiguren pflegt Bierbichler (etwa als Maler in "Im Winter ein Jahr") normalerweise archaische Krisenkraftstrotze zu machen im Format eines Brechtschen "Baal", der sich mal eben zum Frühstück aus dem Himmel einen Geier pflückt.

Bei Roth trägt er zumindest Insignien großer Kunst: Wie van Gogh wird er mit Ohrverband herumlaufen. Und wir bekommen einen psychologischen Erklärungsbrocken hingeworfen: Seine Frau (Erika Deutinger) liegt sterbend im Krankenhaus, so etwas belastet ja. Aber Bierbichler braucht was zu tun, und gab es da nicht mal diesen Fotografen-Film "Blow up"? Roth also lässt Brand Fotos der Todgeweihten machen und hat dann genau eine einzige Idee: Erst beim Sortieren der Bilder auf dem Computer fällt Brands begehrender Blick auf Angela (Angela Gregovic), die junge Pflegerin seiner Frau.

Und dann nimmt das Unheil seinen Lauf: Da ist Angelas Geilheit auf den berühmten Brand, Brands Geilheit auf die scharfe Krankenschwester. Vor lauter Ambition, Erotik-Thriller, Künstler-, Sterbe- und Eifersuchtsdrama auf einmal sein zu wollen, bei gleichzeitigem Verzicht auf einen einzigen Gedanken, was das eine mit all dem anderen oder gar mit Fotografie und Schreiben zu tun haben könnte, stottert der Film mühselig vor sich hin. Sogar mit Bierbichler passiert etwas sehr Seltsames in diesem luftleeren Raum: Er fällt nicht ins Gewicht.