Musik

"Wir spielen nie in Clubs, nur in Konzerthäusern"

Plötzlich ist die heilige Ernsthaftigkeit verschwunden. Hört und sieht man David Orlowsky bei den Konzerten mit seinem David Orlowsky Trio zu, wird klassische Musik zu etwas Leichtem. "Ich mag es nicht, wenn Musik so sportlich wird", sagt Orlowsky und macht immer wieder deutlich, dass auch das berufliche Musizieren in erster Linie Spaß bringen soll.

Carl Nielsens Klarinettenkonzert zum Beispiel, vor allem beim Vorspiel für Wettbewerbe und Orchesterstellen beliebt, ist Orlowsky zu virtuos: "Du musst hundert Stunden für 20 schöne Sekunden üben. Wobei man das manchmal natürlich trotzdem macht." Zwei Echos in der Kategorie Klassik ohne Grenzen hat Orlowsky gewonnen. Den ersten 2008 für die CD "Noema", die er mit seinen Kollegen Jens-Uwe Popp und Florian Dohrmann des David Orlowsky Trios aufgenommen hat. Den zweiten in diesem Herbst für seine CD "Jeremiah" zusammen mit dem Vokal-Ensemble Singer Pur. Während er mit seinem Trio vor allem Klezmer und Jazziges spielt, hat er mit Singer Pur einen Ausflug in die Renaissance-Musik unternommen.

Die Mischung aus Klezmer, Jazz und klassischer Musik, die das David Orlowsky Trio spielt, bezeichnen die Musiker als Weltkammermusik. Das unterstreicht Orlowsky auch durch die Wahl der Konzertorte: "Wir spielen nie in Clubs, nur in Konzerthäusern." Oder wie am morgigen Sonnabend in einer Kirche, genauer der Passionskirche am Kreuzberger Marheinekeplatz.

Der 30-Jährige hat sich viel von der Natürlichkeit des Jungen aus der schwäbischen Kleinstadt behalten, der einst als Fünfjähriger während der Proben der Winzerkapelle durchs Fenster lugte. Da sind kein elitäres Gehabe, keine Staralllüren, keine Profilierungssucht. Nach Berlin kam David Orlowsky als 19-Jähriger zum Zivildienst in einer Behinderteneinrichtung in Zehlendorf - "mit guter Laune und meinem bis oben voll gepackten geliebten Ford Fiesta ,Arno'".

Seitdem hat sich für Orlowsky viel verändert, nicht nur, dass mittlerweile ,Arno' durch die Bahncard 100 ersetzt wurde. Nachdem er sich entschieden hatte, Musiker zu werden, studierte er klassische Klarinette an der Folkwang-Hochschule in Essen und der Manhattan School of Music in New York City. Nach dem Studium in New York zog er erst nach Zürich. Nach anderthalb Monaten gastierte er im Konzerthaus am Gendarmenmarkt und stellte fest: "Nach New York war Berlin für mich die einzige Stadt, in die man ziehen konnte." Also brach er seine Zelte in Zürich ab und kehrte zurück nach Berlin.

Damals in der Winzerkapelle gefiel ihm besonders das Schlagzeug. "Der Dirigent hat mich reingehoben und mal draufschlagen lassen. Da war's um mich geschehen", erzählt er. Auch wenn er später auf die Klarinette umgestiegen ist - sein erstes Instrument hat ihn stark geprägt. "Wenn ich unterrichten sollte, müssen alle meine Schüler wegen des Rhythmusgefühls Schlagzeug spielen. Das wird in der klassischen Musik oft vernachlässigt." Auf einer Orchesterreise mit dem Jugendsinfonieorchester Tübingen "habe ich in eine Klarinette gepustet. Das war toll." Er erzählte es seiner Mutter und sie meldete ihn sofort zum Klarinetten-Unterricht an. "Wahrscheinlich hatte sie die Schnauze voll vom Schlagzeug..." David Orlowsky grinst. Manchmal spielt er noch immer Schlagzeug in seiner Wohnung, die früher einmal ein Tonstudio war - mit Rücksicht auf seine Nachbarn allerdings ein elektrisches mit Kopfhörer.