Frankreich

Kirschen aus Nachbars Kino

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Peter Zander

Er hat die Qual der Wahl. Die Bewerber wollen alle ein gutes Werk tun, wollen soziale Hilfe leisten, Nächstenliebe gar. Tatsächlich wollen sie alle nur das Geld.

Einer, der einzige Schwarze unter ihnen (Omar Sy), will nicht mal das. Nur die Bescheinigung fürs Amt, dass er für diesen Job ungeeignet ist. Aber gerade den wählt der reiche Querschnittsgelähmte (François Cluzet) als sein Mädchen für alles aus. Warum gerade der, fragt man ihn. Der habe doch null Mitleid. Genau deswegen: Mitleid ist das Letzte, was der Behinderte braucht. Was sich daraus entwickelt, verrät der Filmtitel ein wenig früh. Aber es ist ein weiter Weg bis dahin. Dennoch ist "Ziemlich beste Freunde" ein ziemlich großartiger, ziemlich warmherziger - und ziemlich komischer Film. In Frankreich sahen ihn in den ersten drei Wochen 7,2 Millionen Besucher. Heute feiert der hochgelobte Film von Olivier Nakache und Eric Toledano Berlin-Premiere: Als Eröffnungsfilm der Französischen Filmwoche. Vom 1. bis 7. Dezember werden hier die ziemlich besten Filme aus Nachbars Garten in vier Berliner Kinos gezeigt.

Das französische Kino ist gefühlt immer weniger präsent bei uns. Vorbei die Zeiten, als Filme mit Alain Delon oder Yves Montand wie selbstverständlich zu uns ins Kino kamen. Und Frankreichs Stars auch bei uns Kult waren. Selbst wenn ein Moritz Bleibtreu in einem französischen Résistance-Thriller wie "Female Agents" mitwirkt, kann es passieren, dass der bei uns nur im Fernsehen läuft. Oder eine actionreiche Comicadaption wie "Largo Winch 2", der extra mit Ulrich Tukur und Clemens Schick besetzt wurde, um auch bei uns Furore zu machen, trotzdem nur als DVD erscheint.

Doch der Eindruck täuscht. Französische Filme sind in deutschem Kino stark und stet präsent. Von 2004 bis 2010, das belegen jüngste Statistiken, sind bei uns zwischen 37 und 44 Filme pro Jahr gelaufen, die zwischen 3,7 bis bestenfalls 9,2 Millionen Zuschauer sahen. Der Marktanteil liegt demnach zwischen 2,9 und 6,7 Prozent.

Das ist nicht zuletzt ein Verdienst der Französischen Filmwoche. Filmwochen, muss man sagen, denn es gibt sie nicht nur in Berlin, sondern bundesweit. Und sie sind das beste Schaufenster für das Cinéma français. 15 Filme sind in den nächsten sieben Tagen zu sehen, darunter "Huhn mit Pflaumen", der All-Star-Film "Und wenn wir alle zusammenziehen?", Kinder- und Trickfilme und, zum Abschluss, "The Artist", der französische Oscar-Kandidat. Stars wie François Cluzet, Irène Jacob und Geraldine Chaplin präsentieren ihre Filme, einige geben sogar Konzerte. Und das Schönste: Die meisten der vorgestellten Filme haben auch einen deutschen Kinoverleih.

Französische Filmwoche 1.-7. Dezember. Programm: www.institutfrancais.de