Fassbinder

In der Schaubühne wird "Katzelmacher" zur Karikatur

Zum Drive melancholisch-barocker Popklänge schlendern die Schauspieler auf die Bühne, erst Jorgos, der provokativ lässig in seine Möhre beißt, dann die anderen, ein Typen-Ballett, das sich provokant präsentiert.

Ein Vorspiel der Eitelkeiten und eine kleine Freak-Show: Jochen Hochfeld hat sie in schräge Kostüme und Frisuren gesteckt irgendwo zwischen biederem 60er-Schick, 70er-Esoterik und 80er-Pop.

Doch sobald die Schauspieler den Mund aufmachen in Ivan Panteleevs Inszenierung von "Katzelmacher" im Studio der Schaubühne, stimmt kein Ton mehr. Rainer Werner Fassbinder hatte seinen Text 1968 in der Tradition des Anti-Volksstücks einer Marieluise Fleißer geschrieben: In eine Gruppe finanziell wie libidinös miteinander verstrickter Menschen platzt Jorgos, der Grieche, den Chefin Elisabeth als billige Arbeitskraft engagiert hat. Gerüchte und Hass-Attacken häufen sich, bis Jorgos kollektiv zusammengeschlagen wird.

Fassbinder legte den Protagonisten eine süddeutsche Kunstsprache in den Mund. Wie es geht, hat Fassbinder selbst ein Jahr später in seiner gleichnamigen Verfilmung gezeigt, mit der er seinen Regie-Durchbruch schaffte: als nachlässige Gesprächsfetzen inmitten von Stillstand und Leere. Panteleev nimmt das auf, vergrößert und vergröbert die Distanz. Seine Schauspieler - allesamt Studierende der Ernst Busch-Hochschule, wo er Gastprofessor für Regie ist - setzen ihre Worte künstlich in den Raum, ohne dass sie zur Kenntlichkeit zerfallen. Ihre Karikaturen kreisen hemmungslos um sich selbst: Macker Erich wackelt cool auf seinen Cowboystiefeln über die Bühne und vermöbelt akrobatisch seine Freundin Marie, Chefin Elisabeth stöckelt schicksenhaft von links nach rechts über die Bühne, spielt mit ihrer Perlenkette und stiert melancholische Bauklötzer, der reiche Franz scheint sich mehr für seine Pelzstola zu interessieren als für Rosy, die er immerhin für Sex bezahlt. Statt etwas zu erzählen, reiht Panteleev Miniaturen aneinander, von denen wenige gelungen sind.

Schaubühne am Lehniner Platz, Wilmersdorf. Tel. 89 00 23. Termine: 1., 7., 9., 12., 13., 16.12.