Interview mit Trombone Shorty

"Gute Laune geht selbst in harten Zeiten nicht unter"

Troy Andrews alias Trombone Shorty, so sein Spitznahme, vermischt auf seinen Blasinstrumenten die Stile und ist ein lustiger Botschafter seiner Heimatstadt New Orleans.

Auf seinem aktuellen Album "For True" erweitert das 25-jährige einstige Wunderkind das Spektrum noch einmal und spielt neben Jazz auch Rock, Pop und Gospel. Am 8. Dezember ist er im Berliner Postbahnhof zu erleben. Steffen Rüth sprach mit dem Musiker über sein Leben in der Szene.

Berliner Morgenpost: Wie eng ist die Beziehung zwischen Ihnen und dem Blasinstrument?

Trombone Shorty: Wir sind eins. Die Trombone und die Trompete sind Erweiterungen meines Körpers. Es ist übrigens sehr schwer und körperlich anstrengend, sowohl Trompete als auch Trombone in einer Show zu spielen. Aber ich liebe diese Herausforderung.

Berliner Morgenpost: Worin besteht die Schwierigkeit?

Trombone Shorty: In der Erinnerungsfähigkeit der Mundmuskeln. Das Mundstück der Trombone ist viel größer als das Mundstück der Trompete, die Lippen gewöhnen sich daran und kommen dann leicht durcheinander, wenn du im Konzert das Instrument wechselst. Ein bisschen ist das so, als wenn du an einem Tag den Marathon und am nächsten die 100 Meter läufst.

Berliner Morgenpost: Sie waren mal ein Wunderkind des Blechbläsertums?

Trombone Shorty: Ach, Wunderkind, das weiß ich nicht. Anfangs sah es eher cool aus, wenn so ein Kleiner wie ich die Trompete bläst. Bis weit in meine Teenagerzeit war ich überall, wo ich mitspielte, der Jüngste. Mir lag das Spielen sicher im Blut, als Kind habe ich es geliebt, mit Blechbläserkapellen durch die Stadt marschiert. Mein älterer Bruder ist Bandleader, bei ihm durfte ich mitspielen, seit ich sechs war. Ich war ein ganz normales Schulkind, durfte nur in den Ferien mit seiner Band auf Tournee, aber ich wusste lange Zeit nicht, dass es überhaupt andere Berufe als Musiker gibt.

Berliner Morgenpost: Jetzt sind Sie 25 und ein alter Hase.

Trombone Shorty: Jedenfalls bin ich nicht mehr der Jüngste in der Band. Aber ich muss sagen, schon als sehr junger Mensch von Erwachsenen als Musiker ernst genommen zu werden, das war eine Supererfahrung für mich und hat mich geprägt.

Berliner Morgenpost: Ihre Familie mit den Blueswurzeln ist in den Musikzirkeln von New Orleans gut vernetzt und zum Beispiel mit den Neville Brothers befreundet.

Trombone Shorty: Das sind alte Freunde. Der Sohn von Cyril Neville und ich, wir sind aufgewachsen wie Brüder. New Orleans ist sowieso ein Biotop. Es gibt nicht viele andere Orte auf der Welt mit so einer Dichte von fantastischen Musikern.

Berliner Morgenpost: Die Band, mit der Sie "For True" aufgenommen haben, heißt Orleans Avenue.

Trombone Shorty: Genau. New Orleans hat mich geprägt, ich will dort nie wegziehen. Die Energie, das Tanzbare, die gute Laune und die Fähigkeit, sich nicht unterkriegen zu lassen selbst in harten Zeiten, das ist besonders in dieser Stadt. Ich will die positive Kraft meiner Heimatstadt mit meiner Musik in die Welt tragen.

Berliner Morgenpost: Auf "For True" sind einige Gäste dabei: Jeff Beck, Kid Rock, Lenny Kravitz.

Trombone Shorty: Ich bin halt kontaktfreudig! (lacht) Mit Jeff Beck war ich auf Tournee, Kid Rock ist ein Kumpel, und bei Lenny Kravitz spielte ich mit 19 in der Bläsersektion. Lenny ist ein großartiger Mentor, ein toller Mensch. Von ihm habe ich gelernt, wie man sein Publikum perfekt unterhält.

Konzert Postbahnhof, 8.12., 21 Uhr