Welterfolg

Michael Gielens geniale Kreuzung von Schubert und Webern

Es gibt immer wieder Stücke der überraschendsten Art, die Michael Gielen jetzt mit der Staatskapelle in der Philharmonie vorstellte. Man muss erst einmal darauf kommen, den Übereinklang von Schubert und Anton Webern wahrzunehmen und ihn vor aller Ohren zu realisieren.

Das hat der unermüdliche 84-Jährige mit der offenkundig faszinierten Staatskapelle getan. Ihm ist damit ein Welterfolg gelungen, vielleicht der größte seiner an Erfolgen nicht armen Laufbahn.

Gielen hat sich Schuberts Begleitmusik zur unsäglichen "Rosamunde" der vermeintlichen Dichterin Helmina von Chézy ausgespäht, die mit ihrer fauligen Poesie auch Webers "Euryanthe" ins Verderben riss, und hat sechs der wunderbarsten Eingebungen Schuberts mit den "Sechs Stücken für Orchester"op.6 von Anton Webern gekreuzt. Dank Gielen hat man nun den klingenden Beleg. dass Alt und Neu durchaus zueinander passen, einander verstehen, einander er- und verklären. Alle Stücke, ob nun die Schuberts oder Weberns besitzen die gleiche Intensität, das gleiche Ausdrucksverlangen, das gleiche Ziel: das Gemüt des Hörers. Der erwies sich denn auch durchaus nicht taub, sondern feierte Gielens Vorstellungskraft, Wagemut, Finesse nach Kräften. Die Jahrhunderte hören einander zu, sie verstehen sich musikalisch, so stark auch die kompositorischen Vorgänge sie trennen. Gielen ist musik-baumeisterlich ein wahres Wunder gelungen.

Ein weiteres Wunder, allerdings voraussehbarer Art hatten vorab schon Tanja und Christian Tetzlaff auf Cello und Geige geliefert. Sie hatten, gerne krass auftrumpfend und angriffslustig, das Doppelkonzert von Brahms gespielt, ihrer Darstellungs-Courage dann aber noch mit einer Zugabe eine Krone aus der Musikschmiede Béla Bartoks aufgesetzt. Es hagelte Beifall und Bravorufe für die beiden virtuosen Interpreten, beide zweifellos Radikalinskis in der Lust am künstlerisch packenden Zugriff.