Abschied

Sanfter Poet mit beißender Botschaft

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Einer seiner größten Erfolge war das Lied "Komm großer schwarzer Vogel". Der Vogel war natürlich eine Metapher, für den Tod. Und der wurde da geradezu erfleht, angebettelt: "Bitte, hol mich weg von da! / Und dann fliegen wir rauf, / mitten in Himmel rein, /in a neue Zeit, in a neue Welt."

Nun ist Ludwig Hirsch im Alter von nur 65 Jahren gestorben, und es bleibt die Frage, ob er wie in seinem Klassiker-Song den großen schwarzen Vogel angerufen hat. Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA meldet, hat er sich das Leben genommen. In dem Wiener Wilheminenspital, indem er wegen Lungenkrebs behandelt wurde, wurde er tot unter einem Fenster gefunden.

Hirsch zählte neben dem erst vor zehn Tagen verstorbenen Franz Josef Degenhardt zu den Liedermachern, die in den siebziger, achtziger Jahren ihre größten Erfolge feierten. Bekannt war er für seine, wie er sie selber benannte, "dunkelgrauen" und "zartbitteren" Lieder. Sein Spott war zärtlich, seine Kritik poetisch, sein Humor tiefschwarz: Ludwig Hirsch hat es seinem Publikum nie einfach gemacht. Mit sanfter Stimme zwang er zum Zuhören, um dann in scheinbar harmlosen Geschichten bittere Wahrheiten zu erzählen.

Hirsch wurde am 28. Feburar 1946 in St. Magdalena in der Steiermark geboren, wuchs aber in Wien auf. Zunächst wollte er Schauspieler werden. Er machte eine Ausbildung in Wien und stand dann in Regensburg, Wuppertal und am Thalia Theater Hamburg auf der Bühne. Im Wiener Theater an der Josefstadt gehörte er ab 1975 fest zum Ensemble, später spielte er auch in Fernsehfilmen wie "Tatort" oder "Und ewig schweigen die Männer" von Xaver Schwarzenberger.

Weil er, wie er selbst sagte, auf der Bühne "nicht ausgelastet" war, schrieb er Lieder und avancierte in wenigen Jahren vom Geheimtipp zum Inbegriff des Wiener Liedermachers. Schon sein erstes Album "Dunkelgraue Lieder" schaffte 1979 Platin. Er gehörte zur Austropop-Szene um Wolfgang Ambros oder Rainhard Fendrich, blieb aber eher Außenseiter. Am meisten hatte er noch mit Georg Danzer gemein, gleichfalls eine poetische Seele und ein kritischer Geist.

Er äußerte sich oft politisch, trat gegen Atomkraft auf, engagierte sich für Greenpeace und amnesty international und beteiligte sich am "Lichtermeer" gegen Fremdenfeindlichkeit 1993. Zuletzt erschien 2006 das Album "In Ewigkeit Damen". "Gänsehautnah" hieß das Programm seiner letzten Tournee im Frühjahr durch Österreich, Deutschland und die Schweiz. Verheiratet war er mit der Schauspielerin Cornelia Köndgen.

( BM )