Theater

Es geht nicht um die Kunst, es geht ums Leben

| Lesedauer: 2 Minuten
Georg Kasch

Rot ist das Leben, Schwarz der Tod - eine reichlich romantische Auffassung von Kunst, findet Ken. Der junge Assistent des berühmten Malers Mark Rothko (1903-1970) soll eigentlich nur Rahmen bespannen, Zigaretten besorgen und Essen holen. Doch dann mischt er sich ein, stellt Fragen, provoziert das egozentrische Genie.

Dass es in "Rot" weniger um Kunstgeschichte als ums Leben geht, zeigt Vasislis Triantafillopoulos' Bühne im Renaissance-Theater sofort: Im Atelier mit seinen weißen Wänden und dem farbtropfenübersäten Boden hängt hinter einem fertigen Großformat eine Leinwand. Sie ist, wohl vom energischen Pinseln, gesprenkelt mit blutroten Spritzern. Die werden immer mehr: Beide Männer sind am Ende ziemlich farbverschmiert.

Obwohl John Logan große Themen verhandelt wie die von Kunst und Kommerz, wirkt sein bildungsbürgerliches Konversationsstück erstaunlich leicht. Mit seinen Hollywood-Drehbüchern ("Gladiator", "The Aviator") und Theaterstücken pendelt er selbst zwischen Literatur und Markt. In "Rot" gelingt es ihm, allein durch die Gespräche von Meister und Schüler eine Spannung aufzubauen, die 90 Minuten lang trägt. Auch, weil Regisseur Torsten Fischer bei dieser deutschsprachigen Erstaufführung seine Protagonisten und ihre Konflikte ernst nimmt.

Denn natürlich ist Dominique Horwitz' Maler zwar erfolgreich, aber zugleich von Neid, Eitelkeit und Depressionen zerfressen. Einst hatte Rothko, der abstrakte Expressionist, die Kubisten verdrängt und die Surrealisten. Jetzt wird er verdrängt von einer Pop Art, deren Oberflächenreize er nicht verstehen kann. Horwitz' Rothko nölt das in einer seiner Hass-Anfälle raus, ein alternder Titan, der versucht, mit Worten sein Reich zu verteidigen.

Wie Horwitz ist auch Benno Lehmann (Ken) mehr ein Körperspieler als ein Rhetoriker, manchmal wünscht man sich von beiden ein paar mehr Sprachnuancen in diesem Redestück. Aber wie er auftaut, zusammen mit Horwitz zum Furor einer Opernarie in einen Pinselrausch verfällt, das hat was: Mit einem Grinsen bringt er den Grantler aus dem Konzept, fordert ihn zu einer neuen Runde heraus im Kampf um die Frage, was Kunst ist. Als der Junge einmal gegen den Alten rebelliert, dräut Horwitz' Schatten groß über dem des Assistenten. Rot, also das blühende Leben, setzt sich durch, während der alternde Maler am Ende immer noch in seinem Atelier hockt.

Renaissance-Theater , Knesebeckstr. 100, Tel. 312 42 02. Termine: 26.-30.11.