200. Geburtstag

Jonas Kaufmann legt sich für Liszts "Faust" ins Zeug

Nächste Woche feiert die Musikwelt den 200. Geburtstag von Franz Liszt, doch ach: die Festivitäten werden sich vor allem wohl wieder weitgehend auf das Klavierwerk des Meisters beschränken.

Liszt war der unangefochtene Tasten-Paganini des 19. Jahrhunderts, so sehr er sich auch mühte, aus dem erschöpfenden Klavier-Zirkus auszusteigen und Anerkennung als sinfonischer Komponist zu finden. Ein Jammer - doch es scheint, als würde sich auch in Zukunft nichts daran ändern, obwohl sich die Berliner Staatskapelle (plus Staatsopernchor) unter Daniel Barenboim in der Philharmonie kräftig für Liszt ins Zeug legten. Als unwiderstehlich tenorale Hilfskraft hatten sie sich überdies Jonas Kaufmann verpflichtet, der stimmstark und gleichzeitig zart und anrührend Liszts "13. Psalm" zu singen verstand. Er durfte denn auch seine zu Recht vielgeliebte Stimme dem mystischen Chor bemischen, der Liszts groß angelegte "Faust-Sinfonie in drei Charakterbildern" beschließt.

Die "Faust-Sinfonie" ist keine musikalische Plauderei, die sich mit einer sinfonischen Nacherzählung der Handlung von Goethes Dichtung begnügt. Sie trägt den Kopf der Sinfonie unerschütterlich hoch, folgt unbeirrt den überkommenen Formgesetzen und erzählt, allerdings etwas weitschweifig, dramatisch Allbekanntes vor sich hin. Sie beschränkt sich dabei auf Porträts: am ausgiebigsten natürlich auf das undurchsichtige von Faust. Darauf dann, mit liebevollster Hand gezeichnet, das von Gretchen. Als sinfonischer Rausschmeißer muss natürlich Mephisto herhalten. Er stellt sich anfangs beinahe koboldhaft vor, ein unterhaltsamer Kleinmeister des musikalischen Spaßes.

Der Männerchor (mit Solo-Tenor) kehrt überraschenderweise noch einmal für ein paar beschließende Minuten aufs Konzertpodium zurück. "Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis" konstatiert er mit Goethes berühmten Versen. Vielleicht kann man da den Hinweis heraushören, dass auch die "Faust"-Sinfonie Liszts bei all ihren Meriten eher dem Vergänglichen zuzurechnen ist als der musikalischen Unsterblichkeit.