Bühne

Martina Gedecks Dialog mit jungen Schlagwerkern

Die Bühne sieht aus wie ein festlich gedeckter Tisch. Überall stehen kleine Gruppen von Perkussionsinstrumenten. Links die Marimbas, rechts die Pauken, hinten das Klangblech, Trommeln und Becken. In der Mitte bleibt gerade noch ein Ehrenplatz für die beiden großen Flügel.

Das ist kein Aufbau für ein Allerweltskonzert. Zwei Pianistinnen, zwei Schlagwerker und die Schauspielerin Martina Gedeck gehen auf Entdeckungsreise durch musikalische und literarische Welten des 20. Jahrhunderts.

Mit heller, lebendiger Stimme vertieft sich Martina Gedeck in Rilkes liebevolle Schilderung des "Karussels". Das Duo KrausFrink Percussion gestaltet ein hinreißend improvisiertes Duell zwischen Blech und Fell. In Steve Reichs "Clapping Music" verzichten sie auf Instrumente. Mit geschlossenen Augen, in den Knien federnd stehen sie da und skandieren mit ihren Stimmen wechselnde Muster komplizierter Rhythmen. Das fordert die ersten Bravos heraus. Das Klavierduo Mona & Rica Bard paaren zarte Klangpoesie mit südländischem Temperament. Ravels "Rapsodie espagnole" lassen sie hingebungsvoll auf den Tasten zergehen.

"Rhythm & Pulse" heißt das Jubiläumskonzert zum 15-jährigen Bestehen der Berliner Sektion von "Yehudi Menuhin Live Music Now". Der Verein, der auf eine Initiative des großen Geigers und Humanisten zurückgeht, ist bemerkenswert aktiv. Seit 1996 hat er 2400 Konzerte mit 500 Musikern organisiert. Sie finden normalerweise aber nicht im Kammermusiksaal der Philharmonie statt. Der Verein geht von zwei einfachen Voraussetzungen aus: Junge Musiker wollen Konzerte geben, und Menschen in Altenheimen oder Hospizen erleben gern Musik. "Live Music Now" bringt beides zusammen. Mit Spenden werden Konzerte mit begabten Nachwuchsmusikern in sozialen Einrichtungen finanziert.

Der Festnachmittag ist so originell wie abwechslungsreich. Alle Künstler wirken ohne Gage mit, Martina Gedeck hat Dreharbeiten unterbrochen. Die Texte von Rilke, Goethe und Ringelnatz erzählen von Träumen und Phantasiereisen. Die beiden Duos durchleben gemeinsam Darius Milhauds "Scaramouche". Auf den Spuren von Leonard Bernstein begeben sie sich mit Kim Helwegs "America Fantasy" ins Jazz- und Musicalland. Lutoslawskis Paganini-Variationen katapultieren die Melodien des Teufelsgeigers mit wildem Elan in die Moderne. Die vier jungen Musiker spielen nicht zum ersten Mal als Quartett. Nach dem Riesenapplaus im Kammermusiksaal möchte man wetten: auch nicht zum letzten Mal.