Bühne

Netrebko: Amerikaner mögen mehr Show, Europäer mehr Musik

Für die weltweit gefeierte Sopranistin Anna Netrebko ist die Handlung mancher Oper völlig abstrus. "Die Libretti sind manchmal total schwierig, ja manchmal ergeben sie gar keinen Sinn.

Dann lese ich mir das durch und denke: Hä? Was? Was soll das?", sagte die Russin in New York, wo sie derzeit mit "Anna Bolena" von Gaetano Donizetti an der New Yorker Metropolitan Opera gefeiert wird. "Aber dann schließe ich die Augen, denke an die Musik und alles ist so fantastisch, so wunderbar. Das ist Oper!"

Netrebko sieht Oper nicht als eine moderne Kunstform, was aber kein Problem sei: "Oper ist alt, uralt, eigentlich antik. Oper ist altmodisch. Man liebt sie oder nicht. Ich liebe sie!" Eigentlich müsse man Oper lieben: "Und zwar, weil sie so wirklich, so wahrhaftig ist. Da sind wirklich Menschen auf der Bühne. Man kann sehen, wie jemand singt, mit dem ganzen Körpereinsatz. Da kommen doch die ganzen Gefühle her!"

Dabei gebe es in der Wahrnehmung durchaus Unterschiede: "Die Leute hier in den USA mögen mehr die Show. Das ist nichts schlechtes, ich sage das ganz unvoreingenommen. Sie wollen eine schöne Bühne, schöne Kostüme, intensive Musik, notfalls mit Krawumm!" Die Europäer seien anders: "Die kommen wegen der Musik. Dann ist es ganz leise und oft richtig andächtig. Das ist natürlich schön, wenn man merkt: Die Leute kommen wegen der Musik und sie genießen es."