Festivalauftakt

Lemi Ponifasios Ritual eröffnet bedächtig Spielzeit Europa

Ein Zündholz entflammt und verlöscht, als winziges Licht vor dem eisernen Feuerschutztor, das die Bühne hermetisch verschließt. Mit diesem Bild beginnt der samoanische Choreograph und Regisseur Lemi Ponifasio seine neueste Inszenierung, "Le Savali: Berlin".

Das Auftragswerk eröffnet das Festival "spielzeit'europa" im Haus der Berliner Festspiele, wo der pazifische Gast seit Juli mit elf Darstellern aus Berlin und fünfzehn Mitgliedern seiner Mau Company probte.

Dunkel ist es auf der Bühne, als sich der Eiserne Vorhang einen Spalt weit öffnet. Wie eine Ouvertüre erklingt eine Dudelsack-Melodie, von Streichern begleitet. Von fern ertönt dann ein metallisches Hämmern, als würden Ketten geschmiedet (Komposition: Fabrizio Cassol). Zwei Männer, halbnackt, werden sichtbar. Der eine (Ioane Papalii) rollt im Liegen langsam seinen Kopf an der Bühnenkante, die Arme an den Leib gelegt, als seien sie gebunden. Der andere (Helmi Prasetyo) schreitet im Affengang die Rampe entlang, richtet den Oberkörper auf und stößt gellende Rufe gen Himmel aus. Der Mensch als Gefesselter, als Tierwesen zwischen den Welten.

Im dämmrigen Düster einer Zwischenwelt geht die knapp zweistündige Inszenierung vonstatten. In einer zeitlupenhaften Prozession ziehen die Darsteller auf die Bühne. Aus den Lautsprechern hört man eine Menge auf Arabisch einem Rufer antworten - Demonstration oder Religion? Freiheitsstreben oder Fanatismus? "Le Savali" bedeutet auf Samoanisch, eine Reise zu unternehmen, um eine Botschaft zu überbringen und ein gemeinsames Anliegen zu behaupten. Der steinernen Stadt Berlin, in der die Geschichte in Monumentalität erstarrt ist, möchte Ponifasio etwas Lebendiges entgegensetzen. Frei von Narration oder klaren Aussagen türmt der pazifische Gastregisseur Bilder und Assoziationen. Theater hat bei ihm eine rituelle Qualität, erinnert mit seiner schwebenden Langsamkeit und den gemessenen Bewegungen an eine heilige Handlung.